10.000 Follower über Normalnull – die Lufthansa setzt bei Twitter auf Masse statt Klasse

10.000 Follower über Normalnull – die Lufthansa setzt bei Twitter auf Masse statt Klasse

Die Deutsche Lufthansa setzt in der Online-Kommunikation als eines der ersten DAX-Unternehmen auf Twitter. Das ist nichts Neues. Am 12. Mai setzte die Airline ihren ersten Tweet ab: „Follow Lufthansa: Dann weißt du es zuerst. Ab jetzt werktäglich Top-Angebote, Insider-Infos, exklusive Downloads, Tipps und News“ Lufthansa hielt Wort: Über den Lufthansa-Twitter wird vorwiegend Werbung verbreitet. Das macht der Konzern nicht selbst, sondern sein Dienstleister Pixelpark. Dementsprechend negativ fielen die Reaktionen aus der Blogosphäre aus, exemplarisch die Kritik von David Nelles und René Seifert. Katharina Gebhard fasste die Negativpunkte treffend zusammen: „Man hat das Prinzip Twitters als Medium an sich nicht verstanden. Keine wechselseitige Kommunikation, kein Eingehen auf die Follower (bislang folgt der Account keinem einzigen seiner Anhänger) und durch den externen Schreiber erst recht auch keinerlei Authentizität.“ Es ist nicht so, dass Lufthansa die Kritik nicht beherzigt hätte. Mittlerweile folgt der Deutsche Kranich 45 anderen Twitter-Accounts, und auch der ein oder andere Dialog schleicht sich zwischen all die Werbung. Das ändert allerdings nichts am eigentlichen Ziel der Twitterkommunikation, schnell mehr Follower zu gewinnen, um eine größere Reichweite für die Werbebotschaften zu erhalten. Dieses Ziel forciert die Lufthansa nun mit einer Verlosung: Wenn der Account @Lufthansa_DE bis zum 31. August 10.000 oder mehr Follower hat, werden unter diesen 10 x 2 Europaflüge und 100 Lufthansa Gutscheinen im Wert von je 50 € verlost. Und dann? Am Ende sitzt die Lufthansa auf 10.000 Followern, die den Account in der gleichen Motivation abonniert haben, mit der sie das Gewinnspiel-Formular einer Website ausfüllen würden. Der Gewinn steht im Vordergrund, das Erreichen eines persönlichen Vorteils, nicht die Auseinandersetzung mit dem Unternehmen. Ist der Follow-Button...
Nicht Nachrichten, sondern Revolution machen wir!

Nicht Nachrichten, sondern Revolution machen wir!

Die iranische Bevölkerung erhebt ihre Stimme. Vor einem Monat wurde aus ihrem Protest gegen den Wahlbetrug der Regierung Ahmadinedschad der blutige Versuch einer Revolution. Die Menschen werden ihr Ziel erreichen. Es ist lediglich eine Frage der Zeit. Unmöglich ist dagegen die Berichterstattung vor Ort. Die iranische Diktatur unterbindet jegliche Versuche ausländischer Journalisten, in Kontakt mit den Oppositionellen zu treten. Die Presseausweise iranischer Journalisten, die für ausländische Medien arbeiten, wurden für ungültig erklärt. Dennoch erreichen uns seit Wochen eine Vielzahl von Mitteilungen, Bilder und Videos aus dem Iran. Zornige Demonstranten filmen mit ihren Handykameras und verbreiten die Videos über YouTube im Netz. Kurze Mitteilungen werden über Twitter ausgetauscht, längere Berichte werden auf Facebook und in Blogs veröffentlicht. Auf Flickr finden sich fast 8.000 Fotos, die mit dem Tag #Iranelection versehen sind, dem Label der Opposition. Die verwackelten und unscharfen YouTube-Videos bebildern Abend für Abend die Berichte der westlichen Fernsehanstalten. Gestandene Journalisten wie Claus Kleber haben damit ein gewaltiges Problem. Immer wieder betonen Kleber und Co., dass sie die Echtheit der Bilder nicht verifizieren können. Gezeigt werden sie trotzdem, denn die schiere Dramatik ist gut für die Quote. Aber distanzieren möchte man sich doch von dem, was nicht den Standards des westlichen Qualitätsjournalismus entspricht. Denn die todesmutigen Iraner mit ihren digitalen Aufnahme- und Übertragungsgeräten werden zu einer  Konkurrenz für die etablierte Presse, deutet die FAZ an: „Amateurjournalisten unter den Demonstranten werden indes über elektronische Medien weiterhin Berichte und Bilder in die Welt senden.“ Auch Netzpolitik.org versteht „digitalen Aktivismus“ als eine Form des Bürgerjournalismus. Dabei wird Bezug genommen auf die Tätigkeit der Berichterstattung und die Koordination von Aktivitäten. Das greift jedoch zu...
Moses, der Leviathan und die Social Media Guidelines

Moses, der Leviathan und die Social Media Guidelines

Der Paradigmenwechsel im Netz erreicht die Wirtschaft. Immer mehr Unternehmen entdecken Social Media für Marketing und PR. Manche pflegen den Dialog, andere sollten schleunigst damit beginnen. Spannende Zeiten. Fakt ist aber auch: Die meisten Unternehmen sind längst im Social Web angekommen. Viele wissen es bloß noch nicht. Ihre Mitarbeiter beteiligen sich aktiv in Social Business Networks wie LinkedIn oder Xing. Der eigene Arbeitgeber ist in diesen Netzwerken immer fester Bestandteil der Identität, im Guten wie im Schlechten. Und das ist erst die Spitze des Eisbergs. Die Google Blogsuche findet zum Beispiel für die Suchbegriffe „mein Arbeitgeber“ oder „meine Firma“ über 13.000 Einträge. Das Social Web thematisiert Unternehmen längst nicht nur als Marken, sondern als das, was sie tatsächlich sind: Gesellschaftliche Institutionen. Das stellt alle Unternehmen vor neue Herausforderungen, denn generell haben sie keine Möglichkeit, diese Kommunikation zu kontrollieren, geschweige denn zu unterbinden. Also müssen sie sich mit ihr arrangieren und Richtlinien für den Umgang mit den Social Media definieren. Diesen Schritt gehen zunehmend mehr Unternehmen. In jüngster Zeit waren es Bayer und SAP. Deren Social Media Guidelines thematisieren im Wesentlichen die gleichen Punkte, sprechen jedoch eine vollkommen andere Sprache. Adressaten sind in beiden Fällen die eigenen Mitarbeiter. Das ist der Grund, warum die beiden Richtlinien so unterschiedlich sind. Die Menschen stehen im Mittelpunkt des Interesses. Deshalb entscheidet das Menschenbild der Unternehmensführung über den Charakter der Social Media Guidelines. Eine kleine Zeitreise Moses – Die zehn Gebote Die Herleitung dieser Hypothese beginnt irgendwann zwischen dem 10. und dem 6. Jahrhundert vor Christus. Das 2. Buch Moses (Kapitel 19-34) des Alten Testaments beschreibt, wie Moses auf den Berg Sinai steigt, um...
Vodafone lernt sprechen

Vodafone lernt sprechen

Vodafone wird sich in diesen Stunden fragen, was eigentlich schief gelaufen ist. Da lädt der Konzern zu einer Pressekonferenz, streamt sie ins Netz und erlaubt es den Nutzern, das Ereignis ohne Kontrollinstanz zu kommentieren. Er spricht davon, die Kunden in den Mittelpunkt (von was eigentlich – der Gewinnerzielung?) zu stellen, als Helden des Alltags. Von Empowerment ist die Rede, vom neuen Markenversprechen und von einer neuen Zielgruppe, der Generation Upload. Mit Sascha Lobo sitzt sogar ein waschechtes Testimonial auf dem Podium. Und dann das: Die PK wurde zu einem Lehrstück der Generation Bullshit. Eigentlich ist Vodafone im Social Web hervorragend aufgestellt. Seit Carmen Hillebrand neue Pressesprecherin des Unternehmens ist, hat sich einiges getan. Vodafone sucht twitternd und bloggend den Kontakt zu den Anspruchsgruppen. Der Dreh des neuen Werbespots wurde durch die Teilnahme von Bloggern zu einem viel beachteten Medienereignis, das in Echtzeit verfolgt werden konnte. Die Idee, schon vor der Ausstrahlung durch Live-Berichterstattung vom Dreh eine größere Aufmerksamkeit für den Spot zu erzeugen, ist schlichtweg genial. Präsenz zeigte Vodafone auch auf diversen Barcamps, das HTC Magic im Gepäck. All das deutete bis gestern darauf hin, dass Vodafone tatsächlich einen Wandel durchläuft. Dass der Konzern auf dem Weg ist, sich zu öffnen und die Transparenz als Leitbild entdeckt. Heute lässt sich feststellen: Wer die Technologie versteht und sie richtig bedient, hat noch lange nicht die Welt verändert. Tapio beschreibt das sehr schön: „Ein Überschminken bekannter PR-Instrumente mit der bunten Tünche des Social Web hat eher zur Folge, dass man sich lächerlich macht.“ Vodafone nutzt Social Media in der Kommunikation, um Zielgruppen, Endkunden oder/und Konsumenten zu erreichen. Der Dialog findet statt,...
Lost in Open Space: Geschichten vom BuzzCamp

Lost in Open Space: Geschichten vom BuzzCamp

Was passiert, wenn ca. 25 Digital Somethings das Wochenende bei 30° C in einem Bürgersaal verbringen, der sonst Karnevalssitzungen und Tanztees beherbergt? Richtig. So genau weiß das niemand. Und damit passt das Setting wunderbar in das Konzept des Open Space. Als solches war das erste von Robert Basic initiierte BuzzCamp am 4./5. Juli 2009 in Bad Homburg ausgelegt. Menschen treffen sich und verfolgen ein gemeinsames Ziel. Ohne feste Agenda oder Rollenverteilung. Alles soll sich aus den Gesprächen und Diskussionen heraus ergeben. Am Ende des Wochenendes würde etwas entstanden sein, das sich BuzzRiders nennt. Eine Plattform, die das Lokale thematisiert. Die weiß, was gerade vor Deiner Haustür passiert. Eine Mischung aus Newsportal, Kleinanzeigenmarkt und Social Community für Deine Stadt. So war zumindest der Plan. In der Umsetzung erfordert die Methodik der offenen Kollaboration einiges an Disziplin von den Beteiligten. Zwar gibt es keine Regeln für die Ausarbeitung der Workshop-Ergebnisse. Aufgrund des Zeitdrucks ist jedoch jeder Einzelne gefordert, sich möglichst effizient in seine Arbeitsgruppe einzubringen. Wird das Etappenziel aus den Augen verloren, lässt sich die vertane Zeit nur schwer wieder aufholen. Deshalb ist es hilfreich, die Ziele so einfach wie möglich zu definieren und auszuformulieren. Beim BuzzCamp fasste Oliver deswegen die wesentlichen Erkenntnisse aus David Allens aktuellem Buch Making It All Work für uns zusammen – GTD in Reinkultur. Möglicherweise war das ein erster Stolperstein auf dem Weg zum Ziel. Denn zumindest in meiner Gruppe war danach erst einmal die Methodik das Thema, bevor wir uns auf ein gemeinsames Verständnis der Aufgabenstellung einigen konnten. In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass die Vorstellung von BuzzRiders bei vielen noch unscharf war....