Verstehe einer die Jugend (eine Zielgruppe, die es nicht gibt)

Verstehe einer die Jugend (eine Zielgruppe, die es nicht gibt)

Everybody’s talking about the kids The kids got funky soul and groove emotion But if you don’t give the kids the chance to use it They’re always morethan likely to abuse it Jamiroquai – The Kids Die Jugend von heute liebt den Luxus, hat schlechte Manieren und verachtet die Autorität. Sie widersprechen ihren Eltern, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer. Sokrates Lutsch mein Schwanz King Kool Savas – LMS Jugend forscht, musiziert und trainiert für Olympia. Außerdem säuft sie sich ins Koma und prügelt Rentner und Obdachlose krankenhausreif. Damit ist eigentlich schon alles über die Jugend gesagt, was konsensfähig ist. Wenn da nicht noch die Kaufkraft wäre: 22,9 Milliarden Euro geben die 6- bis 19-Jährigen in Deutschland hochgerechnet für das Jahr 2009 aus, sagt das Forschungsinstitut iconkids & youth. Wie kommt man da ran? Fun. Action. Kick. Als Textilhersteller oder Boutiquen-Betreiber hat man gut Lachen. Mit immerhin fast 15 % der Gesamtausgaben führt Bekleidung/Mode die Liste der beliebtesten Konsumgüter von Jugendlichen an. Danach verdienen Gastronome und Veranstalter, sowie Mobilfunknetzbetreiber am besten an den jungen Verbrauchern. Entwicklung und Pflege sozialer Beziehungen und Anerkennung lassen sich die 6- bis 19-Jährigen also einiges kosten. Nicht wenige wittern dahinter Vergnügungssucht. Wenn es nach der Sinus-Milieustudie U27 des Landesjugendring Hamburg Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) und dem bischöflichen Hilfswerk MISEREOR geht, ist der größte Teil der Jugendlichen dem sogenannten Milieu der Hedonisten zuzuorden. Die Milieustudien von Sinus Sociovision sind weit verbreitet und beziehen neben geografischen, soziodemografischen und verhaltensbezogenen auch psychografische Variablen in die Milieubeschreibungen ein. „Die Hedonisten sind meist auf der Suche nach Fun und Action. Unterwegs sein, aus den Zwängen...
Der Bundestag hat eine neue Website für das Internet der 90er

Der Bundestag hat eine neue Website für das Internet der 90er

Heute um 11.00 Uhr wurde in einer Pressekonferenz mit Bundestagspräsident Norbert Lammert der Website-Relaunch des Bundestags vorgestellt. Bei einer Website, die immerhin 4 Millionen Unique Visitors im Monat aufweist, ist einiges zu erwarten. Repräsentative Auftritte wie der des Weißen Hauses haben in letzter Zeit die Hoffnung genährt, die politische Klasse würde das Internet für sich entdecken und es für eine bürgernahe und partizipative Kommunikation nutzen. Man wird ja noch träumen dürfen. Der aktuelle Auftritt kommt aus einer Zeit, in der morgens AOL-CDs die Briefkästen verstopften und eBay noch Alando hieß. Die fragmentierte Portalstruktur hat so viel Sex-Appeal wie ein Kleinanzeigenportal für gebrauchte Waschmaschinen. Schlimmer noch ist die Navigation: Hier tritt der Lost-in-Web-Effekt schon beim Aufpoppen der Secod-Level-Navigation auf. Dass die Website unter OS X 10.5.7 und Firefox 3.0.5 fehlerhaft angezeigt wird, fällt da kaum noch ins Gewicht. Die Intention der Website? Die offizielle Pressemitteilung verrät es: „Im Mittelpunkt des neuen Angebots – www.bundestag.de – stehen bewegte Bilder. Debatten und Ausschusssitzungen mit Hintergrundinformationen werden live übertragen. Das Parlament präsentiert sich allen Bürgerinnen und Bürger übersichtlich und täglich aktuell.“ Von den bewegten Bildern, die im Mittelpunkt stehen, gibt es auf der aktuellen Startseite genau null. Zero, niente, nada. Kein einziges Video ist dort vorhanden. Update: Mittlerweile ist ein Videointerview mit Norbert Lammert auf der Startseite. Als dieser Artikel geschrieben wurde, war da noch ein Bild. Um überhaupt Videos zu finden, quält der Besucher sich entweder durch eine gefühlte Hundertschaft an Navigationspunkten oder bemüht – wie so oft – die Suche. Usability ist in der Politik eben nicht besonders beliebt. Dennoch ist Norbert Lammert von der neuen Seite begeistert. Dass sie ihn...
Kolonialismus 2.0 – Der Nationalstaat und sein hilfloser Griff nach der Kontrolle über das Internet

Kolonialismus 2.0 – Der Nationalstaat und sein hilfloser Griff nach der Kontrolle über das Internet

Ein mediales Highlight kündigte sich gestern an. Sascha Lobo orakelte via Twitter: „“Netz ohne Gesetz – Warum das Internet neue Regeln braucht“ – der Spiegel-Titel für Montag lässt das Schlimmste befürchten.“ Das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel hieft im Sommerloch ein Thema auf die Titelseite, das zunehmend wichtiger für den Wahlkampf 2009 wird. Deshalb lassen die Autoren es sich nicht nehmen, die aktuellen Fronten um die Diskussion der Kontrollmechanismen im Netz plakativ darzustellen: „Während an der Oberfläche des digitalen Reichs tausend bunte Blumen blühen, Shopping, Chats, Schöngeistiges, wuchert im Wurzelwerk darunter ein Pilzgeflecht aus Intrigen, Täuschung und Terror. Das Netz, so sehen es manche, bedroht den Frieden der Welt. […] In dieser jungen, unübersichtlichen Welt geht es mancherorts zu wie im Dickicht amerikanischer Städte der zwanziger Jahre. Soziale und moralische Verwahrlosung erstickt in weiten Teilen der neuen Galaxie den Freiheitsgeist der Gründergeneration.“ Da ist sie wieder, die bipolare Welt, die Achse des Guten gegen die Achse des Bösen. So naiv diese Sichtweise ist, so real ist sie in den Köpfen von zu vielen Menschen vorhanden. Genau so wie der Reflex, auf negative Auswüchse in freiheitlich organisierten Handlungsräumen mit Forderungen nach Kontrolle und Einschränkung zu reagieren. Nach diesem farbenfrohen Vorspann legen die Autoren Thomas Darnstädt, Frank Hornig, Martin U. Müller, Marcel Rosenbach und Hilmar Schmundt jedenfalls erst so richtig los – der ganz große Rundumschlag folgt! Und das ist positiv gemeint: Denn statt einseitig Argumente zu sammeln, warum das Netz Kontrollen benötigt, wird der Konflikt zwischen Staat und Bürgerrechtsbewegung in epischer Breite diskutiert. Lawrence Lessig kommt zu Wort, der Urheberschutz wird diskutiert und die New Yorker Soziologin Saskia Sassen wird mit Äußerungen...
Evangelisten brauchen wir nicht – Interview mit Harald Ille, dem offiziellen Twitterer der Stadt Frankfurt

Evangelisten brauchen wir nicht – Interview mit Harald Ille, dem offiziellen Twitterer der Stadt Frankfurt

Am 24. Juni 2009 machte via Twitter der Account @Stadt_FFM die Runde. Das Presse- und Informationsamt Frankfurt am Main hatte das Microblogging für sich entdeckt. Vom ersten Tag an twittern Harald Ille und Jana Kremin in meist kurzweiligen Tweets zu Ereignissen und Fundstücken rund um die Stadt Frankfurt, ohne auch nur in ein einziges Fettnäpfchen der Online-Kommunikation zu treten. Nach 40 Tagen hat der Account schon 600 Follower. Auf fragwürdige Aktionen für schnelles Wachstum wurde bisher konsequent verzichtet. Dafür enthalten die Tweets meist einen relevanten Mehrwert für die Leser. Grund genug für ein Interview mit Harald Ille über die ersten Erfahrungen eines kommunalen Amtes mit Twitter. Was sind eure Aufgaben in der Stadtverwaltung? Ich bin der Redakteur des täglichen Pressedienstes der Stadt Frankfurt am Main, der an 1.400 Empfänger in der ganzen Rhein-Main-Region geht. Jana absolviert bei uns ihr journalistisches Volontariat und bekommt Einblicke in alle Bereiche der PR (nicht nur online), erstellt Podcasts und schreibt nette Geschichten rund um Frankfurt. Gehört Online-PR zu eurer täglichen Arbeit? Online-PR gehört nicht unmittelbar zu unseren Aufgaben – dafür haben wir die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit und eine Online-Redaktion. Aber wir twittern. Wer hatte die Idee, die Stadt Frankfurt twittern zu lassen? Was war der Auslöser? Die Idee hatte ich – durchgesetzt hat sie aber die Oberbürgermeisterin Petra Roth persönlich: Sie hat auf einem Social-Media-Vortrag Twitter gezeigt bekommen, vor allem die Tweets von Hamburg und San Francisco haben ihr so gefallen, dass sie noch in der Veranstaltung verfügt hat: „Die Stadt Frankfurt twittert ab sofort auch!“ Also haben wir umgehend damit angefangen und waren nur fünf Stunden später „draußen“. Gibt es einen Social Media...