Kant for Business – Der Kategorische Imperativ 2.0 Beta

Kant for Business – Der Kategorische Imperativ 2.0 Beta

Vor nicht ganz 225 Jahren formulierte Kant seinen Kategorischen Imperativ, den Entwurf einer universellen Ethik: „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.“ Die volkstümliche Variante ist als Goldene Regel bekannt und gehört zu den Urformen menschlicher Verhaltensweisen in einer Gemeinschaft: „Behandle andere so, wie du von ihnen behandelt werden möchtest!“ Passend dazu ein Zitat aus der E-Mail eines geschätzten Arbeitnehmers: „Selten sehe ich Mails mit der Kennzeichnung Prio niedrig. Üblicherweise brennen mir die Augen vor roter Farbe und Ausrufezeichen.“ Niemand lässt sich gerne unter Druck setzen. Aber wer im Beruf bestimmte Aufgaben als wichtig wahrnimmt, möchte, dass die Kollegen diese ebenfalls priorisieren – asap!!!!! Die Goldene Regel scheint im beruflichen Alltag nicht zu funktionieren. Warum ist das so? Der Kategorische Imperativ ist eine Richtschnur für die Ausgestaltung der sozialen Beziehungen. Die erfolgreiche Anwendung ist allerdings dem menschlichen Willen unterworfen. „Das, was außer der Vernunft noch seinen [Anm.: der Mensch ist gemeint] Willen bestimmt, sind nach Kant die Neigungen, Komponenten unserer sinnlichen Veranlagung, die auf dem „Gefühl der Lust und Unlust beruhen““, so Wikipedia. Lust auf Arbeit? Das IFAK-Institut will herausgefunden haben, dass nur noch 12 % der Arbeitnehmer sich ihrem Arbeitgeber verpflichtet fühlen und mit Motivation und Engagement bei der Ar­beit sind. Dagegen sollen 24 % bereits innerlich gekündigt haben. Gründe für die Innere Kündigung gibt es viele, sagen die Professoren Brinkmann und Stapf, die das Phänomen erforschen. Sie können im direkten Arbeitsumfeld zu finden sein, aber auch in der Organisation oder innerhalb gesellschaftlicher Veränderungsprozesse. In jedem Fall liegt eine Diskrepanz vor zwischen dem Willen eines Arbeitnehmers und der...
Von Manifesten und der Entdeckung des Menschen

Von Manifesten und der Entdeckung des Menschen

Das Internet. Unendliche Weiten. Heimat sozialer Biotope und verschrobener Kulturen, die erst noch erforscht werden wollen. Spielplatz enthusiastischer Entdecker, die jedes neue Stück Land kartographieren, katalogisieren und einer Bedeutung zuführen. Goldgrube für rechtschaffene Kaufleute und zwilichtige Gesellen. Vision genialer Tycoons mit großen Plänen. Es herrscht Aufbruchstimmung. Wieder einmal. Und ein Internet-Manifest will die Menschen aufrütteln. Wieder einmal. Eine kleine Geschichte des Internets Nach dem Platzen der ersten Internet-Blase um die Jahrtausendwende durchläuft das Netz eine Metamorphose und erfindet sich als Web 2.0 neu. Social Networks, Blogs und Real-time-lifestreams holen die Menschen ins Netz und appellieren an ihre Kreativität, Intelligenz und Leidenschaft. Soziale Beziehungen zwischen Menschen, die sich noch nie im Leben begegnet sind, werden Realität. Das Internet ermöglicht heute jedem Nutzer das Bereitstellen, Auffinden und Verarbeiten von Informationen. Möglicherweise bleiben dabei Relikte aus dem letzten  Jahrtausend, wie etwa das Urheberrecht in seiner jetzigen Form, auf der Strecke. Damit haben Verlage und Medienhäuser ein Problem. Insbesondere der Verleger Hubert Burda versteigt sich in eine abstruse Beweisführung für das Schlechte der sogenannten „Kostenlos-Kultur“ im Internet. In einer gemeinsamen Hamburger Erklärung schelten große deutsche Verlage und die dpa den angeblich „rechtsfreien“ Status des Internets und fordern den Schutz des geistigen Eigentums, um ihren Qualitätsjournalismus sichern zu können. Dagegen wehren sich nun 15 Autoren, darunter namhafte Journalisten wie Thomas Knuewer und Stefan Niggemeier, mit einem Internet-Manifest. In aller Deutlichkeit zählen sie auf, welche Veränderungen die Kulturtechniken des Internets vom modernen Jornalismus abverlangen. Nicht mehr und nicht weniger. Die Reaktionen sind jedoch keinesfalls nur euphorisch. Dennoch löst das Manifest ein Beben aus. Das Manifest, das keines war Im Wesentliche gibt es in der deutschen...
Putting the „KO“ in JAKO

Putting the „KO“ in JAKO

Der Sportartikelhersteller JAKO mahnt einen Blogger ab und macht Bekanntschaft mit dem Streisand-Effekt. Wie schon viele Firmen zuvor erlebt er nun den Zorn des Social Web. Die Web Evangelisten wollen für den Hashtag #jako eine Twitter-Reichweite von 73.180 unterschiedlichen, d.h. unique Followers, gemessen haben, was mit der Reichweite einer mittleren bis großen Lokalzeitung zu vergleichen sei. JAKO ist unbestritten der Verlierer des Tages auf Twitter und in den Blogs. Ob die Geschichte den Sprung aus dem vormedialen Raum in die Massenmedien schafft, ist ungewiss. Präzedenzfälle dafür gibt es jedoch genügend. So wurde im Februar dieses Jahres aus dem getwitterten Hilfeersuch von Markus Beckedahl wegen einer Abmahnung der Deutschen Bahn die Titelstory der überregionalen Tageszeitung taz. Nun ist der betroffene Frank Baade kein A-, sondern Sportblogger und JAKO ist auch nicht die Bahn, zu der die Hälfte der Deutschen ein durchaus gespaltenes Verhältnis hat. Nur, wer zukünftig im Netz nach JAKO sucht, wird unweigerlich die negativen Seiten des Unternehmens finden. Wie muss ein Unternehmen eigentlich gestrickt sein, um solche PR-Gaus zu verhindern? Eine quick’n’dirty Szenarioanalyse kann vielleicht Antwort auf diese Frage geben: Szenario A: JAKO spricht Sowohl das Eintracht Frankfurt Fan-Blog-G als auch allesaussersport haben bei JAKO ergebnislos nach einer Stellungnahme zu dem  Vorfall gefragt. Da die mahnende Rechtsanwältin und der zuständige Mitarbeiter bei JAKO beide bis Mitte September im Urlaub sind, könne man keine Auskunft geben, so die Antwort. Zu diesem Zeitpunkt war der Geschäftsführung wohl noch nicht klar, dass ein massiver Reputationsverlust droht. Schweigen ist im dialogorientierten Social Web keine Lösung. Erst, nachdem die beiden genannten Blogs zusammen gut 800 meist empörte Kommentare zum Thema zählen, spricht JAKO...