Exitus, Sendeschluss – Wie Internet und Social Media den Rundfunk abschaffen

Amir Kassaei, einer der berühmtesten und wohl auch berüchtigsten Kreativen wo gibt, wird nicht müde zu betonen, dass das Internet längst kein reiner Publishing-Kanal mehr ist, sondern viel mehr Infrastruktur: „Es ist die Elektrizität des 21. Jahrhunderts. Oder wenn wir weiter gehen wollen, es ist das Nervensystem unserer globalen Existenz.“ Das Internet – so einfach wie Strom. Das ist nicht pure Zukunftsmusik, sondern passiert schon längst. Smart Metering, VOIP, IPTV und was es sonst noch alles gibt, beanspruchen immer größere Anteile des verfügbaren Breitbandes für sich. Aufgrund dieser Entwicklung fühlt sich Chris Anderson genötigt, das Web für tot zu erklären. Vorschnell, wie BoingBoing meint. Es zappelt noch. Doch in der Tat, es gibt Tote. Sehr bald. Und es wird eine sehr fröhliche Beerdigung. Everything Changes – Take That Fakt ist: Durch die Digitalisierung in allen Bereichen verändern sich ganze Branchen und Geschäftsmodelle. Die Musikindustrie musste sich mit als erste dieser Realität stellen. War das Internet erst der Feind, den es mit all seinen illegalen Tauschbörsen und kriminellen Elementen zu bekämpfen galt, haben sich heute viele Unternehmen der Musikwirtschaft mit den Gegebenheiten arrangiert: Die Deutschen kaufen immer mehr Musik im Netz. So stiegen die Umsätze mit Musikdownloads in den ersten sechs Monaten dieses Jahres um fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Physikalische Tonträger haben jedoch keine Zukunft mehr (Sony sieht das freilich anders, wie schon damals bei der MiniDisc). Die Erlösmodelle für das 21. Jahrhundert sind neu: „Im Digitalen gehen die Veränderungen tiefer als den meisten klar ist. Denn viele wirtschaftlichen Vorgänge und gesellschaftlichen Vorstellungen basieren auf Knappheiten, die aktuell nach und nach wegbrechen“, merkt Marcel Weiss an. Das... mehr lesen

Social Media Pro Bono – denn guter Rat ist nicht teuer, sondern glaubwürdig

Hallo Du. Schön, dass Du da bist. Sehr wahrscheinlich bist Du hier gestrandet, weil Dir jemand diesen Artikel empfohlen hat. Via Twitter oder Facebook. Oder sogar Xing. Jemand, den Du kennst oder zumindest schätzt, meint, das Posting wäre interessant für Dich. Wollen wir mal hoffen, das dem so ist, ne? Tatsächlich sind Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld fester Bestandteil unserer täglichen Kommunikation. Aber auch Empfehlungen von Menschen, die wir nicht oder kaum kennen, können unsere Entscheidungen beeinflussen. Auf Tripadvisor.de finden sich mehr negative als positive Stimmen von Familienurlaubern zu einem interessanten Hotel? Schon wird nicht gebucht. Bei Amazon erfolgen Empfehlungen aufgrund der Auswertung des aggregierten Klick- und Kaufverhaltens von Kunden mit ähnlich gelagerten Interessen: „Kunden, die Cola kauften, interessierten sich auch für Zwieback“. Hach. Klar, eine Empfehlung ist auch Werbung. „Damit können wir Geld verdienen“, dachten sich Leif Abraham und Christian Behrendt und entwickelten den Service „Pay with a Tweet„. Eigentlich ist es wie bei Farmville & Co.: Für das Verbreiten einer bestimmten Botschaft erfolgt eine Belohnung – und wer freut sich nicht über die vielen, vielen Einladungen zu diversen Facebook-Spielen oder dutzendfache Retweets von Gewinnspiel-Gesülze in seiner Timeline? Um es kurz zu machen: Pay with a Tweet ist großer Bockmist. Wie überhaupt alle Konzepte, die Empfehlungen als Werbung im herkömmlichen Sinne missinterpretieren. Warum das so ist, erklärt WOM-Spezialist und Praktiker Martin Oetting im Interview. „Der Ansatz macht Leute letzlich zu Spammern“ Dr. Martin Oetting ist Director Research und Gesellschafter der trnd AG, dem europäischen Marktführer für Word-of-Mouth Marketing. Er hat zum Thema „Mundpropaganda & Marketing“ promoviert und betreibt mit ConnectedMarketing ein Blog zum Thema. Zudem ist er Autor... mehr lesen

Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht

Kultur. Der Begriff klingt nach Feuilleton. Nach Literaturkritik, linkem Gesellschaftsentwurf und Helmut Kohls wärmender Strickjacke. Nicht so sehr nach Nackedeis (Link mit Bildern!!!), Party oder Unterschichtenfernsehen. Schon gar nicht klingt er nach Landwirtschaft. Jedoch: Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur, sagt Wikipedia. Also auch „Bauer sucht Frau“. Oder Social Media. Hell yeah! Das wissen die Experten und Idealisten natürlich schon lange. Die weit verbreitete Meinung: Weil Social-Media-Kultur und Unternehmenskultur oft wenig Übereinstimmungen aufweisen, kommt es gar zum Kulturkampf oder zur Kulturrevolution in den Unternehmen. Es ist also an der Zeit, die Messer zu wetzen. Ein Traktor macht noch keine Agrikultur Stop! Wer in den Krieg zieht, sollte wissen, wofür er kämpft. Social-Media-Kultur? Eine enzyklopädische Beschreibung gibt es dafür nicht. Auch journalistische Erzeugnisse sprechen, wenn überhaupt, von der Netzkultur. Der deutsche Wikipedia-Artikel zu diesem Terminus ist jedoch Müll, im Englischen ist indessen von Cyberculture die Rede: „[…] Cyberculture is the culture within and among users of computer networks. This cyberculture may be purely an online culture or it may span both virtual and physical worlds. This is to say, that cyberculture is a culture endemic to online communities; it is not just the culture that results from computer use, but culture that is directly mediated by the computer. Another way to envision cyberculture is as the electronically-enabled linkage of like-minded, but potentially geographically disparate (or physically disabled and hence less mobile) persons.“ Selbst diese Definition ist etwas mau. Like-minded? Die Schmierfinken... mehr lesen

Im Bann des Kraken: Die 17 ultimativen Tweets über Paul, das Wunder von Oberhausen

PR kann so einfach sein. Nimm einen Kraken, lass ihn WM-Spiele vorhersagen, filme ihn dabei und – schwupps – stürzt sich die gesamte internationale Presse auf dich und nennt dein Unternehmen brav im Boulevard, dem Sportteil und den Nachrichten. So einfach ist es dann doch nicht. Die Trefferquote muss auch stimmen. Der Krake Paul aus Oberhausen hat eine fantastische Quote von 100%. Er hat alle Spiele der deutschen Mannschaft richtig vorhergesagt. Bestens dokumentiert auf seiner eigenen Facebook-Seite. Leider auch das gegen Spanien. Damit kam er in die Negativschlagzeilen. Vor allem auf Twitter machte sich der enttäuschte Mob Luft. Wie immer bei solchen Gelegenheiten sind ein paar echte Perlen unter den Reaktionen. Es folgt die Auswahl der lustigsten 17 Tweets über Paul, den Kraken, den Knut des Oberhausener Sealife! Übrigens: Wer dem kleinen Racker eine persönliche Botschaft übermitteln möchte, schreibt an paul@sealife.de Breaking: Gerade sagte Paul den Sieg der deutschen Nationalmannschaft gegen Uruguay voraus! Amnestie für Paul? Und hier noch ein Schmankerl für den kulturell interessierten Fußballfreund: Update 13.07.2010: Hinter Paul und seinen Vorhersagen steckt übrigens die PR-Agentur Dederichs, Reinecke & Partner aus Hamburg. Ehre, wem Ehre... mehr lesen

Cluetrain PR feiert Geburtstag!

Vor einem Jahr fing es an. Es juckte mich in den Fingern. Erstens, weil ich das Bloggen vermisste. Mein erstes Blog schrieb ich von 09/2005 bis 09/2006. Genau ein Jahr. Danach ging es nicht weiter. Das ist heute anders. Zweitens, weil ich das Gefühl hatte, dass es diese Nische braucht, die Cluetrain PR hoffentlich heute besetzt (Hey, ich meine nicht Social Media!). Da kannte ich die anderen großartigen Blogs wie digitalpublic, wwweblernen uvm. noch nicht. Das war auch gut so. Vielleicht ist Cluetrain PR in seiner Art wirklich einzigartig. Beurteilen müsst das ihr, die Leser. Es ist heute eure Bühne. Vorhang auf! Tja. Hier befand sich mal eine Google Wave. Lange ist es her. Was das war, wollt ihr wissen? Opa kann es euch... mehr lesen

Leads, Leads, Leads: B2B ist das neue Sexy im Social-Media-Zirkus

Eben noch sprachen alle über das Ende der Werbung, das Zeitalter der Relevanz und die Fokussierung auf die Sozialen Beziehungen, weg von der Technologie. Da macht ein leises Flüstern die Runde: „B2B!“ Augen beginnen zu glänzen, Marketeers großer Chemiekonzerne, Maschinenbauer und Facility Manager lächeln seelig. Ein bisschen Coolness, mehr sexy, endlich! Dank Social Media. Natürlich. Im Rahmen der Bachelor-Thesis von Kim Nguyen an der ISM Dortmund befragte die Agentur creative360 110 B2B-Unternehmen aus Industrie, IT und Dienstleistungen zur aktuellen und zukünftigen Nutzung von Social-Media-Marketing. Der Trend sei eindeutig, so die Studie: „Demnach sehen 83% der Marketingverantwortlichen B2B Social-Media-Marketing in den Jahren 2010 bis 2012 als wichtig bzw. sogar sehr wichtig an.“ Die weiteren Aussagen der Marketeers lassen jedoch vermuten, dass 99% der zukünftigen Maßnahmen nichts als Zeitverschwendung und Geldverplempern sein werden. B2B or not B2B: That is the question! B2B ist anders. Einkäufer sind meist nicht die Anwender und die Entscheidungsprozesse zur Anschaffung von B2B-Produkten, -Lösungen und -Services sind wesentlich umfangreicher. Ein ganzer Konferenzraum voller Menschen will überzeugt werden. Aus irgendeinem Grund scheinen B2B-Marketeers zu glauben, dass die Menschen aus ihren Zielgruppen ernster genommen werden müssen als der private „Konsument“. Jedenfalls kommunizieren sie anders. Bestandskunden werden durch eigene Key-Account-Manager betreut, potentielle Kunden sollen mit umfangreichen Angeboten gelockt werden. Der Aufwand pro Kunde ist teilweise immens. Nicht ohne Grund: Schließlich kann ein Outsourcing-Deal mit einem Fortune-500-Unternehmen richtig Geld in die Kasse spülen. Im B2B-Marketing bemühen sich Menschen um Menschen. Eigentlich ist dieser Wirtschaftszweig für Social Media prädestiniert. Martin Meyer-Gossner sieht das ganz genauso: „In meinen Augen ist das Social Web für B2B sogar effizienter und mit oft schwerwiegenderer Wirkung nachhaltig... mehr lesen

Die Deutsche Post stößt kräftig in’s Horn und trifft mal wieder die falschen Töne

„Das Beste aus zwei Welten – Deutsche Post startet den E-Postbrief“ – hört sich seltsam an, ist es auch. In seinem TV-Prospekt Einkaufaktuell bewirbt der ehemalige Monopolist seinen neuesten Service: Der E-Postbrief funktioniert wie E-Mail, ist aber, im Gegensatz zur E-Mail, sicher. Der elektronische Postbrief? Das ruft Stirnrunzeln hervor. Was der E-Postbrief kann und was nicht, ist egal. Interessant ist, wie die Deutsche Post ihren neuesten Streich in der hauseigenen Postille bewirbt: Klassische Propaganda, die Ängste schürt, um angebliche Sicherheit zu verkaufen. Mit dabei: Ein Interview mit Jürgen Gerdes, dem Konzervorstand Brief der Deutschen Post DHL, das erschreckend aufschlussreich ist und vor allem eins zeigt: Die Post ist noch lange nicht im Internet angekommen. Es ist nicht das erste mal, dass die Post ihr Wochenheftchen für grenzwertige Propaganda verwendet. So machte die Einkaufaktuell schon zur Bundestagswahl 2009 von sich reden, als eine Anzeige der CDU ganzseitig auf dem Titel erschien. Dass es sich um eine Anzeige handelte, war nur schwer zu erkennen. Heute wirbt die Post nicht für ihre Partei, sondern für den eigenen Service. Die Maßnahme ist indessen ähnlich drastisch. Denn, so erfahren wir aus dem Advertorial: „Heute ist die E-Mail alltäglich. Millionenfach schwirren elektronische Nachrichten in Sekundenschnelle von Computer zu Computer. E-Mails sind einfach, schnell und preiswert – aber eines sind sie bisher nicht: sicher.“ Was folgt, ist die klassische Instrumentalisierung von Angst: „Für Hacker ist es ein Leichtes, E-Mails abzufangen, mitzulesen oder gar zu verfälschen.“ Genau. Wer heute noch eine unverfälschte E-Mail erhält, die niemand mitliest, hat wirklich Glück. Aber nicht genug. Denn hinzu kommen Spam-Werbemails mit zwilichtigen Angeboten, die – „so schätzen Experten“ – 95%... mehr lesen

Alter, Dein Ego braucht Dich! Über die (einzig wahre) Ökonomie von Social Media

Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der sozialen Technologie. Es passiert im Internet: Plötzlich ist alles voll sozial! So sozial, dass Sebastian Küpers dieses Prädikat genervt für redundant und völlig überflüssig erklärt. Denn das Soziale ist längst ein Fetisch der IT- und Kommunikationsbranche. Web-2.0-Guru und Informatiker Stowe Boyd behauptet, „das Soziale wird in mobilen Systemen wie dem iPad oder in Windows 7 eingebaut sein“ – als sei es eine Funktion, ein Feature oder eine App. Bald gibt es sicher die ersten SLAs für das Soziale in der Enterprise Edition. Wir wissen: „Sozial ist, was Arbeit schafft“, so das Credo der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Aber auch was Kaufkraft schafft, ist sozial, sagt ver.di. Ganz klar: Facebook ist sozial, weil das Häkchen-Entfernen in den Privacy-Einstellungen Arbeit schafft. Und tipp24.com ist sozial, weil es Kaufkraft schafft. Natürlich ist das Humbug. Das Soziale war schon immer auch ein Kampfbegriff. Und neuerdings ist es eben auch ein Marketingversprechen. Aber was macht das Soziale in seiner Freizeit, wenn es nichts von alledem ist? Wie unreflektiert in der Berater-Community mit dem Begriff des Sozialen umgegangen wird, zeigt exemplarisch Mirko Lange, der einen sehr blumigen Erklärungsansatz pflegt: „„Social“ bedeutet „gemeinsam“. Nicht Dialog. Nur die Technik stellt weder Gemeinsamkeit noch Interesse her. Aber Dialog auch nicht. Aber wenn man Dinge aufrichtig „teilt“ und zusammen nutzt, dann entsteht Gemeinsamkeit – sei es auch nur zwischen den Nutzern.“ Mirko unterstellt den Sozialen Beziehungen von Menschen, nur in der Form der Gemeinschaft zu existieren. Gesellschaft als Arena für Akteure mit ganzen Wagenladungen voll Sozialer Beziehungen mit zweckorientiertem Charakter blendet er aus (siehe dazu Ferdinand Tönnies, Max... mehr lesen

In 5 Jahren spricht niemand mehr über Social Media, sondern über Fachkräftemangel

Das erste Drittel dieses Jahres ist vorbei und es lässt sich sagen, dass Social Media in der Unternehmenskommunikation angekommen ist. Alles webzwonullige läuft auf heavy rotation in einschlägigen Fachpublikationen wie Horizont oder WUV. Dem kann sich kein Marketeer und kein Kommunikator mehr entziehen. So langsam springen alle auf den Zug auf, wollen ihre Facebook-Seite, den Twitter-Account und ein hübsches YouTube-Video. Die Rede ist nicht von den Innovatoren aus E-Commerce und ITK, den großen Lifestyle-Marken oder Verlagsprodukten. Vielmehr sind es jetzt Mittelständler und mausgraue B2B-Unternehmen, die bei den Agenturen anklopfen und sich Rat holen. Das stellt die Agenturen vor Herausforderungen: Personal mit entsprechender Expertise ist nicht immer vorhanden. Das Jobkarussell dreht sich schnell in diesen Tagen. Edelman schnappte sich Mark Heising, Bernhard Jodeleit arbeitet jetzt für fischerAppelt und Wolfgang Lünebürger darf schon seit letztem Jahr die Strippen bei achtung! ziehen. Jede Woche versendet ein anderer Headhunter lange Listen mit Angeboten. Dennoch, oder gerade deshalb (sic!) wird in fünf Jahren kein Mensch mehr über Social Media sprechen. Internet reloaded: Zurück in die Normalität Warum das so ist, zeigt ein Blick auf die technologische Entwicklung des Internets. Das Evolutionsmodell von RMD Studio verdeutlicht, wie Technologie die Anforderungen an die Erstellung und Pflege von Webseiten verändert. Vor 20 Jahren war die erste HTML-Website von Tim Berners-Lee noch ein Bündel statisch programmierter HTML-Seiten. Seit damals verbesserte sich die Technologie zur Bereitstellung von Inhalten kontinuierlich. Waren Anfangs Frontend-Programmierer notwendig, um einzelne Seiten zu gestalten und Administratoren, um sie zu veröffentlichen, konnten diese Aufgaben mit der Entwicklung von Content Management Systemen von Online-Redakteuren ohne Programmierkentnisse übernommen werden. Ein neuer Berufsstand war geboren. Nicht mehr die technologische... mehr lesen

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