Social Media Pro Bono – denn guter Rat ist nicht teuer, sondern glaubwürdig

Social Media Pro Bono – denn guter Rat ist nicht teuer, sondern glaubwürdig

Hallo Du. Schön, dass Du da bist. Sehr wahrscheinlich bist Du hier gestrandet, weil Dir jemand diesen Artikel empfohlen hat. Via Twitter oder Facebook. Oder sogar Xing. Jemand, den Du kennst oder zumindest schätzt, meint, das Posting wäre interessant für Dich. Wollen wir mal hoffen, das dem so ist, ne? Tatsächlich sind Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld fester Bestandteil unserer täglichen Kommunikation. Aber auch Empfehlungen von Menschen, die wir nicht oder kaum kennen, können unsere Entscheidungen beeinflussen. Auf Tripadvisor.de finden sich mehr negative als positive Stimmen von Familienurlaubern zu einem interessanten Hotel? Schon wird nicht gebucht. Bei Amazon erfolgen Empfehlungen aufgrund der Auswertung des aggregierten Klick- und Kaufverhaltens von Kunden mit ähnlich gelagerten Interessen: „Kunden, die Cola kauften, interessierten sich auch für Zwieback“. Hach. Klar, eine Empfehlung ist auch Werbung. „Damit können wir Geld verdienen“, dachten sich Leif Abraham und Christian Behrendt und entwickelten den Service „Pay with a Tweet„. Eigentlich ist es wie bei Farmville & Co.: Für das Verbreiten einer bestimmten Botschaft erfolgt eine Belohnung – und wer freut sich nicht über die vielen, vielen Einladungen zu diversen Facebook-Spielen oder dutzendfache Retweets von Gewinnspiel-Gesülze in seiner Timeline? Um es kurz zu machen: Pay with a Tweet ist großer Bockmist. Wie überhaupt alle Konzepte, die Empfehlungen als Werbung im herkömmlichen Sinne missinterpretieren. Warum das so ist, erklärt WOM-Spezialist und Praktiker Martin Oetting im Interview. „Der Ansatz macht Leute letzlich zu Spammern“ Dr. Martin Oetting ist Director Research und Gesellschafter der trnd AG, dem europäischen Marktführer für Word-of-Mouth Marketing. Er hat zum Thema „Mundpropaganda & Marketing“ promoviert und betreibt mit ConnectedMarketing ein Blog zum Thema. Zudem ist er Autor...
Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht

Vordenker, Mitmacher, Nachtreter: Es lebe die Social Media Leitkultur! #nicht

Kultur. Der Begriff klingt nach Feuilleton. Nach Literaturkritik, linkem Gesellschaftsentwurf und Helmut Kohls wärmender Strickjacke. Nicht so sehr nach Nackedeis (Link mit Bildern!!!), Party oder Unterschichtenfernsehen. Schon gar nicht klingt er nach Landwirtschaft. Jedoch: Kultur (zu Lateinisch cultura, „Bearbeitung“, „Pflege“, „Ackerbau“, von colere, „wohnen“, „pflegen“, „den Acker bestellen“) ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt, im Unterschied zu der von ihm nicht geschaffenen und nicht veränderten Natur, sagt Wikipedia. Also auch „Bauer sucht Frau“. Oder Social Media. Hell yeah! Das wissen die Experten und Idealisten natürlich schon lange. Die weit verbreitete Meinung: Weil Social-Media-Kultur und Unternehmenskultur oft wenig Übereinstimmungen aufweisen, kommt es gar zum Kulturkampf oder zur Kulturrevolution in den Unternehmen. Es ist also an der Zeit, die Messer zu wetzen. Ein Traktor macht noch keine Agrikultur Stop! Wer in den Krieg zieht, sollte wissen, wofür er kämpft. Social-Media-Kultur? Eine enzyklopädische Beschreibung gibt es dafür nicht. Auch journalistische Erzeugnisse sprechen, wenn überhaupt, von der Netzkultur. Der deutsche Wikipedia-Artikel zu diesem Terminus ist jedoch Müll, im Englischen ist indessen von Cyberculture die Rede: „[…] Cyberculture is the culture within and among users of computer networks. This cyberculture may be purely an online culture or it may span both virtual and physical worlds. This is to say, that cyberculture is a culture endemic to online communities; it is not just the culture that results from computer use, but culture that is directly mediated by the computer. Another way to envision cyberculture is as the electronically-enabled linkage of like-minded, but potentially geographically disparate (or physically disabled and hence less mobile) persons.“ Selbst diese Definition ist etwas mau. Like-minded? Die Schmierfinken...
Leads, Leads, Leads: B2B ist das neue Sexy im Social-Media-Zirkus

Leads, Leads, Leads: B2B ist das neue Sexy im Social-Media-Zirkus

Eben noch sprachen alle über das Ende der Werbung, das Zeitalter der Relevanz und die Fokussierung auf die Sozialen Beziehungen, weg von der Technologie. Da macht ein leises Flüstern die Runde: „B2B!“ Augen beginnen zu glänzen, Marketeers großer Chemiekonzerne, Maschinenbauer und Facility Manager lächeln seelig. Ein bisschen Coolness, mehr sexy, endlich! Dank Social Media. Natürlich. Im Rahmen der Bachelor-Thesis von Kim Nguyen an der ISM Dortmund befragte die Agentur creative360 110 B2B-Unternehmen aus Industrie, IT und Dienstleistungen zur aktuellen und zukünftigen Nutzung von Social-Media-Marketing. Der Trend sei eindeutig, so die Studie: „Demnach sehen 83% der Marketingverantwortlichen B2B Social-Media-Marketing in den Jahren 2010 bis 2012 als wichtig bzw. sogar sehr wichtig an.“ Die weiteren Aussagen der Marketeers lassen jedoch vermuten, dass 99% der zukünftigen Maßnahmen nichts als Zeitverschwendung und Geldverplempern sein werden. B2B or not B2B: That is the question! B2B ist anders. Einkäufer sind meist nicht die Anwender und die Entscheidungsprozesse zur Anschaffung von B2B-Produkten, -Lösungen und -Services sind wesentlich umfangreicher. Ein ganzer Konferenzraum voller Menschen will überzeugt werden. Aus irgendeinem Grund scheinen B2B-Marketeers zu glauben, dass die Menschen aus ihren Zielgruppen ernster genommen werden müssen als der private „Konsument“. Jedenfalls kommunizieren sie anders. Bestandskunden werden durch eigene Key-Account-Manager betreut, potentielle Kunden sollen mit umfangreichen Angeboten gelockt werden. Der Aufwand pro Kunde ist teilweise immens. Nicht ohne Grund: Schließlich kann ein Outsourcing-Deal mit einem Fortune-500-Unternehmen richtig Geld in die Kasse spülen. Im B2B-Marketing bemühen sich Menschen um Menschen. Eigentlich ist dieser Wirtschaftszweig für Social Media prädestiniert. Martin Meyer-Gossner sieht das ganz genauso: „In meinen Augen ist das Social Web für B2B sogar effizienter und mit oft schwerwiegenderer Wirkung nachhaltig...
Alter, Dein Ego braucht Dich! Über die (einzig wahre) Ökonomie von Social Media

Alter, Dein Ego braucht Dich! Über die (einzig wahre) Ökonomie von Social Media

Ein Gespenst geht um in der Welt – das Gespenst der sozialen Technologie. Es passiert im Internet: Plötzlich ist alles voll sozial! So sozial, dass Sebastian Küpers dieses Prädikat genervt für redundant und völlig überflüssig erklärt. Denn das Soziale ist längst ein Fetisch der IT- und Kommunikationsbranche. Web-2.0-Guru und Informatiker Stowe Boyd behauptet, „das Soziale wird in mobilen Systemen wie dem iPad oder in Windows 7 eingebaut sein“ – als sei es eine Funktion, ein Feature oder eine App. Bald gibt es sicher die ersten SLAs für das Soziale in der Enterprise Edition. Wir wissen: „Sozial ist, was Arbeit schafft“, so das Credo der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft. Aber auch was Kaufkraft schafft, ist sozial, sagt ver.di. Ganz klar: Facebook ist sozial, weil das Häkchen-Entfernen in den Privacy-Einstellungen Arbeit schafft. Und tipp24.com ist sozial, weil es Kaufkraft schafft. Natürlich ist das Humbug. Das Soziale war schon immer auch ein Kampfbegriff. Und neuerdings ist es eben auch ein Marketingversprechen. Aber was macht das Soziale in seiner Freizeit, wenn es nichts von alledem ist? Wie unreflektiert in der Berater-Community mit dem Begriff des Sozialen umgegangen wird, zeigt exemplarisch Mirko Lange, der einen sehr blumigen Erklärungsansatz pflegt: „„Social“ bedeutet „gemeinsam“. Nicht Dialog. Nur die Technik stellt weder Gemeinsamkeit noch Interesse her. Aber Dialog auch nicht. Aber wenn man Dinge aufrichtig „teilt“ und zusammen nutzt, dann entsteht Gemeinsamkeit – sei es auch nur zwischen den Nutzern.“ Mirko unterstellt den Sozialen Beziehungen von Menschen, nur in der Form der Gemeinschaft zu existieren. Gesellschaft als Arena für Akteure mit ganzen Wagenladungen voll Sozialer Beziehungen mit zweckorientiertem Charakter blendet er aus (siehe dazu Ferdinand Tönnies, Max...
Achtung, Social Media Berater: Das Maß ist voll!

Achtung, Social Media Berater: Das Maß ist voll!

Fasching ist vorbei und mit dem Aschermittwoch kam die Katerstimmung. Das trifft auf die Social Media Industrie wie auf alle anderen Narren zu. Nico Lumma konstantierte der Social Media Week Berlin mit lakonischem Unterton, „same same“ – also der selbe Zirkus mit den selben Themen wie letztes Jahr – zu sein. Christian Bölling fragte unlängst genervt, wie es zu dieser Heldenverehrung von Social Media Beratern kommt, die er zwar als Dampfplauderer, aber nicht als Macher mit entsprechenden Referenzen wahrnimmt. Es rumort unter der Oberfläche, die ersten Kratzer sind im Social Media Lack, es scheint sich herauszustellen, dass der Umsatz durch den Twitter-Account doch nicht um 500 Prozent steigt. Nicht nur Berater, sondern auch die Kommunikatoren in den Unternehmen müssen sich mit der unangenehmen Frage nach dem Erfolg ihrer Bemühungen auseinandersetzen. Wie der sich messen lässt, dazu gibt es schon eine ganze Menge Ideen. Rachel hat (stellvertretend für eine Fantastilliarde anderer Berater) einen ganzen Sack voll metrischer Größen gesammelt, die sie für die Messung von Social Media geeignet findet, und in leicht verdaulicher Listenform veröffentlicht. Auch Leander Watting hat sich Gedanken gemacht; seine Liste fällt wesentlich kompakter aus. Axel Schmiegelows Sicht der Dinge ist da schon differenzierter: Er meint, „soziale Relevanz ist der Schlüssel zur Messbarkeit von Social Media“. Im Interview ist dann jedoch wieder vom Online-Werbemarkt und klassischen Messgrößen die Rede. Was messen wir da eigentlich? Das ist überhaupt das Problem mit dieser vermaledeiten Social Media Erfolgsmessung: Die etablierten Online-Messgrößen erfassen gar nicht das, was Social Media vom Rest des Internets unterscheidet. Page Impressions, zuletzt bei der IVW in Ungnade gefallen, sind nach wie vor eine etablierte Währung im...
Alles Lüge? Wie echt sind unsere Facebook-Profile?

Alles Lüge? Wie echt sind unsere Facebook-Profile?

Vermitteln Profile auf internetbasierten sozialen Netzwerken wie StudiVZ oder Facebook ein verfälschtes, selbstidealisiertes oder ein sehr genaues Bild der Persönlichkeit der Profilinhaber? Diese Fragestellung verfolgt eine psychologische Studie, deren Ergebnisse voraussichtlich im März im Psychological Science Journal vorgestellt werden. Am internationalen Forschungsprojekt beteiligt ist unter anderem Dr. Mitja Back von der Johann-Gutenberg-Universität Mainz, der Rede und Antwort stand. Im Jahr 2006 nutzten weltweit 700 Millionen Menschen das Internet. Heute gibt es weltweit mindestens genau so viele Nutzer mit einem eigenen Social-Network-Profil. Schon 2008 hatten 42% aller Internetnutzer sich bei mindestens einem Sozialen Netzwerk registriert. Das Gesicht des Internets hat sich nachhaltig verändert – es ist heute normal, seine Persönlichkeit und Identität online zu veröffentlichen. Das Netz wird zu einem gigantischen globalen Telefonbuch, das auch Auskunft über persönliche Vorlieben und politische Interessen geben kann. Nicht nur das: In Norwegen werden sogar das Einkommen und das Vermögen jedes einzelnen Bürgers über das Internet veröffentlicht. Die Profildaten üben einen großen Reiz aus: Erlauben sie doch die direkte Ansprache von sehr spitzen Zielgruppen ohne nennenswerten Streuverlust. Dafür ist jedoch eine Frage entscheidend: Wie aussagekräftig sind die Profildaten? Neigen die Nutzer dazu, ein selbstidealisiertes Bild von sich ins Netz zu stellen oder sind die Profile „echt“? Im Rahmen eines internationalen Forschungsprojekts beschäftigt sich Dr. Mitja Back von der Universität Mainz mit eben dieser Frage: Wie sind Sie auf die Idee zu Ihrer Studie gekommen? Wir sind daran interessiert, die Genauigkeit unseres ersten Eindrucks von anderen Personen in verschiedenen Kontexten zu erforschen. Darüber hinaus möchten wir die Prozesse verstehen, die dem Ausdruck der Persönlichkeit und der Eindrucksbildung zugrunde liegen. Es gibt interessante Studien, die zeigen,...