Lost in Open Space: Geschichten vom BuzzCamp

Lost in Open Space: Geschichten vom BuzzCamp

Was passiert, wenn ca. 25 Digital Somethings das Wochenende bei 30° C in einem Bürgersaal verbringen, der sonst Karnevalssitzungen und Tanztees beherbergt? Richtig. So genau weiß das niemand. Und damit passt das Setting wunderbar in das Konzept des Open Space. Als solches war das erste von Robert Basic initiierte BuzzCamp am 4./5. Juli 2009 in Bad Homburg ausgelegt. Menschen treffen sich und verfolgen ein gemeinsames Ziel. Ohne feste Agenda oder Rollenverteilung.

Alles soll sich aus den Gesprächen und Diskussionen heraus ergeben. Am Ende des Wochenendes würde etwas entstanden sein, das sich BuzzRiders nennt. Eine Plattform, die das Lokale thematisiert. Die weiß, was gerade vor Deiner Haustür passiert. Eine Mischung aus Newsportal, Kleinanzeigenmarkt und Social Community für Deine Stadt. So war zumindest der Plan.

In der Umsetzung erfordert die Methodik der offenen Kollaboration einiges an Disziplin von den Beteiligten. Zwar gibt es keine Regeln für die Ausarbeitung der Workshop-Ergebnisse. Aufgrund des Zeitdrucks ist jedoch jeder Einzelne gefordert, sich möglichst effizient in seine Arbeitsgruppe einzubringen. Wird das Etappenziel aus den Augen verloren, lässt sich die vertane Zeit nur schwer wieder aufholen. Deshalb ist es hilfreich, die Ziele so einfach wie möglich zu definieren und auszuformulieren.

Beim BuzzCamp fasste Oliver deswegen die wesentlichen Erkenntnisse aus David Allens aktuellem Buch Making It All Work für uns zusammen – GTD in Reinkultur. Möglicherweise war das ein erster Stolperstein auf dem Weg zum Ziel. Denn zumindest in meiner Gruppe war danach erst einmal die Methodik das Thema, bevor wir uns auf ein gemeinsames Verständnis der Aufgabenstellung einigen konnten. In der anschließenden Diskussion wurde schnell deutlich, dass die Vorstellung von BuzzRiders bei vielen noch unscharf war.

In den Arbeitsgruppen hatten wir uns mit zu ehrgeizigen Zielen verzettelt – von der Organisationsstruktur bis zur Finanzierung wollten wir für alle Fragen Antworten finden. Vielleicht wäre es besser gewesen, zu Beginn des Camps alle Ideen und Fragen zum Projekt einzusammeln und in einer großen Runde auszuwerten. Ich weiß es nicht. Aber es folgte, was Oliver so beschreibt:

„Beschwert von Pizza oder Nudeln entspann sich am Nachmittag des Samstag zunächst ein einstündiger Diskurs, welches denn nun die Unterarbeitsgruppen wären und in welcher Methodik und ob überhaupt in Unterarbeitsgruppen verschiedener Thematik zu arbeiten wäre. Hier hätte eine klarere Strukturierung den Zeitverlust und die Frustration sicher eingedämmt.“

Nichtsdestotrotz war dieser Tag eine wertvolle Erfahrung. Man kann es als Scheitern empfinden oder auch nicht – in jedem Fall zeigte der Verlauf des Camps, dass die handelnden Personen sich erst aufeinander abstimmen müssen, um kooperieren zu können. Das bestätigt auch Daniel Langwasser auf seinem Blog:

Typo-Vorschläge für das Logo.

Typo-Vorschläge für das Logo.

„Open Space benötigt Rahmenbedingungen – gerade wenn die Teilnehmer untereinander weitestgehend nicht bekannt sind und auch (noch) nicht für ein gemeinsames Thema „brennen“.“

Das Musik bietet dazu eine schöne Analogie: Treffen sich Musiker zu einer Jam-Session, wird ohne Noten, ohne Arrangement und ohne Hierarchien gespielt. Was dabei rauskommt, hängt allein vom Können und der Harmonie der Musiker ab. Selbst wenn ersteres nur begrenzt vorhanden ist, kann es durch ein harmonisches Zusammenspiel wunderbar aufgefangen werden.

Und so war es dann auch am Sonntag auf dem BuzzCamp: Die Learnings vom Vortag zeigten ihre Wirkung. Die Aufgabenstellung war sehr konkret, die Arbeitsweise zielstrebiger und die Ergebnisse waren ok. In einem Rollenspiel interagierten die vier Gruppen User, Redaktion, Marketing und Produktmanagment miteinander, schanzten sich Problemstellungen und Lösungsvorschläge zu und diskutierten unter Hochdruck. Dabei zeigten sich viele Konfliktsituationen, deren Analyse bei der zukünftigen Konzeptionierung der Plattform helfen wird.

Was letztendlich an Material auf dem BuzzCamp zusammengetragen wurde, ist vielleicht gar nicht so wichtig. Viel wichtiger ist die Erfahrung, in einem Open Space unter Zeitdruck mit teilweise völlig Fremden – die jetzt sehr sympathische Bekannte sind – erfolgreich kooperiert zu haben. Das Modell hat Zukunft und ist sicher nach oben skalierbar.

So offen, wie die gesamte Struktur des Open-Space-Konzepts ist, muss dann auch die gemeinsame Zielvorstellung sein. Das Gesamtziel sollte nicht vorgegeben, sondern, in letzter Konsequenz, gemeinsam definiert werden. Denn das BuzzCamp beweist einmal mehr eine einfache Lebensweisheit: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.

Bilder, Videos und weitere Blogartikel zum BuzzCamp finden sich im BuzzRiders-Blog.