Montage, für die das Aufstehen sich lohnt

Montage, für die das Aufstehen sich lohnt

10 Monate Selbständigkeit liegen bereits hinter mir. Die Zeit verging wie im Flug. Keinen einzigen Tag möchte ich davon missen. Die Bilanz ist ordentlich: Kunden, mit denen es Spaß macht zu arbeiten. Ein Einkommen, von dem ich leben kann. Eine Kommunikation, die nicht durch „10 Dinge, die ein Social Media Manager jetzt tun sollte“-Artikel verhunzt wird. Aber vor allem: Die Freiheit zu tun, was ich für sinnvoll erachte. Und das andere zu lassen.

Gemeinsam mit Lars Kempin schreibe ich ein Buch über Content Marketing – und, trotz zähem Ringen mit Zeit und Aufmerksamkeit – es zeichnet sich ein Werk ab, das nicht verkaufen, sondern hinterfragen will. Weil wir das gut finden. Weil wir glauben, dass ein Buch Sinn stiften sollte, um eine echte Daseinsberechtigung zu haben. Vielleicht sind wir auch einfach nur ein Stück weit größenwahnsinnig und glauben, wir könnten Marketing- und PR-Industrie tatsächlich positiv beeinflussen. Egal, wir haben jedenfalls hehre Ziele und das ist es, was den Spaß an der Sache ausmacht. Ganz sicher nicht das Geld. Sondern das einfach mal machen.

I don’t like mondays

Diese Erfahrung darf ich seit kurzem auch in einem anderen Umfeld bestätigen. Seit Oktober bin ich im Team einiger großartiger Enthusiasten, die aus reiner Freude an der Sache jeden Monat den Webmontag Frankfurt auf die Beine stellen. In meiner Wahrnehmung gibt es diese Veranstaltung schon ewig, sie ist eine Konstante im Frankfurter Geschehen. Tatsächlich blickt der #wmfra auf sieben Jahre Existenz zurück. Ich erinnere mich an lange Abende in der Brotfabrik, mit Talks, die begeisterten und Vorträgen, die ich nicht verstand. Die Bandbreite der Tech-Themen war riesig, oft kam mir der Abend vor wie eine große bunte Wundertüte mit einigen seltsamen Zahnrädchen und blinkenden Dioden darin. Geeks, deren Vortragsfolien lange Zeilen Code auf die Leinwand einbrannten. Aber auch immer wieder Unerwartetes, das den eigenen Horizont erweiterte.

Unerwartetes, das den eigenen Horizont erweitert

Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Webmontag das letzte Mal in 2012 besucht hatte. Es war im März und auf der Bühne bastelte jemand etwas mit CSS, es wurden Internetvideos gezeigt und Florian Schrodt warb um neue Mitarbeiter für die Deutsche Flugsicherung. Das war damals der 36. #wmfra – seitdem war ich nicht mehr dort und konnte deshalb nicht erleben, was sich alles tat. Zwei Jahre später ist der Webmontag um 20 Episoden reicher und ein völlig anderer.

Das Team, dem je nach Wetter und Situation zwischen 10 und 27 Personen angehören, hat etwas auf die Beine gestellt, was für privat organisierte Veranstaltungen ohne kommerzielle Absichten eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit ist. Jeden Monat wird erneut ein Webmontag aus dem Boden gestampft, der zahlreichen Referenten eine Bühne bietet. Nicht nur werden jedes mal zuverlässig bis zu 200 Menschen zum Publikum gemacht. Nein, sogar einen lupenreinen Livestream weist der Webmontag Frankfurt mittlerweile auf, von den Videos der Talks ganz zu schweigen.

Auch inhaltlich hat sich einiges getan: Jeder Webmontag findet mittlerweile zu einem anderen Schwerpunkt statt. 2013 waren das unter anderem Medien, Mobility und Girl Power. Da stehen Speaker aus der Event-Community neben gestandenen Vortragssöldnern, aufgeregte Buben bei ihrem ersten Mal neben erfahrenen PowerPoint-Veteranen mit zahlreichen Laserpointer-Narben aus heiklen Kampfeinsätzen.

Into the wild

Sales Pitches nur, wenn sie Spaß machen. So ist der Webmontag Frankfurt.

Sales Pitches nur, wenn sie Spaß machen. So ist der Webmontag Frankfurt.

Im Mai 2013 wurde ich auf der re:publica das erste Mal gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, ins Team zu stoßen. Ich gebe es zu: Ja, ich war skeptisch. Außerdem verkatert und müde. Und so kam es, dass erst im Oktober ein Treffen mit dem Team stattfand, das mich vollends überzeugte. Denn es ist nicht nur das Ergebnis der Arbeit, das großartig ist, also die eigentliche Veranstaltung. Sondern auch die Art und Weise, wie die Aufgaben und Schwierigkeiten gemeinsam vom Team bewältigt werden. Hier leben welche ihren Traum vom selbstbestimmten Arbeiten in  einem agilen Netzwerk ohne Hierarchien, organisiert über moderne Online-Tools und Social Media. Ein Feuchtbiotop für jeden Arbeitsforscher!

Das Wirken in dieser Gemeinschaft macht großen Spaß und ist unheimlich motivierend. Denn hier werden Dinge einfach gemacht. Nicht analysiert, kalkuliert und budgetiert. Sondern diskutiert. Und gemacht. Wenn sie für sinnvoll gehalten werden. So entstehen wirklich großartige Ideen und Leistungen wie der besagte Livestream.

Und auch für 2014 hat sich das Team etwas vorgenommen: Der Webmontag soll frei nach dem Motto der kommenden re:publica – into the wild – mehr Menschen ansprechen, die eben nicht einer häufig kolportierten Netzgemeinde zugehören. Er will eine Brücke schlagen zu Themen und Menschen, die nur indirekt mit dem Internet zu tun haben. Weil wir glauben, dass es heute weniger das NSA-verseuchte Internet ist, das den Webmontag trägt. Sondern vielmehr das durch das Internet beschleunigte Wirken des Netzwerkprinzips, das immer mehr gesellschaftliche Bereiche erfasst und verändert.

Also machen wir das einfach mal und fangen im Januar damit an. Für den Auftakt in 2014 durfte ich die Agenda ausgestalten. Es geht um Aufbruch. In jeder Beziehung das richtige Thema:

Infos zur Agenda und den Sprecherinnen