Social Media machen dumm – in Echtzeit

Social Media machen dumm – in Echtzeit

[Anmerkung: Das Lesen dieses Textes dauert Zeit.]

Vor längerem ließ der Social Media Berater Johannes Kleske per Pressemitteilung verlauten: “Die Gesellschaft entwickelt sich weg von einer hierarchischen, hin zu einer Netzwerkstruktur. Heute geschieht Kommunikation in Echtzeit. In Zukunft müssen auch Unternehmen ihre Strukturen anpassen. […] Alle werden in den Kommunikationsprozess eingebunden sein”. Bam! Ende der Durchsage.

Aufgeregtes Gewusel in den Kommunikationsabteilungen der Republik, alles flach, alles schnell, alle alles rund um die Uhr. Als wären PR-Manager die besseren Day-Trader und jeder Unternehmens-Tweet ein schicksalhafter Impuls im Mahlwerk der internationalen Börsen. Das Monitoring-Geschäft boomt, jeder gerade ausgesonderte Satzfetzen, der auch nur im Entferntesten überhaupt nichts mit Marke, Produkt und Unternehmen zu tun hat, wird ausgewertet. Denn der nächste Shitstorm ist nur einen Klick entfernt und kann praktisch sofort losgehen.

Social Media Manager sind dieser Tage Gralshüter. Der heilige Kelch, aus dem sie beständig nippen, enthält den Nimbus der Rastlosigkeit. Ihre Antwort auf alle Fragen ist nicht 42, sondern 24/7. Und sie arbeiten gerade daran, die Kommunikationskultur ihrer Arbeitgeber zu zerstören.

Echtzeit – nur echt mit 24 Stunden

Zugegeben, um die Kommunikationskultur der Unternehmen war es in vielen Fällen auch vorher nicht gut bestellt. Doch mittlerweile identifizieren immer mehr Kommunikatoren Facebook als dieses turbo boosting Social Media und werden von einschlägigen Beratern penetrant bestärkt, dort gefälligst ihre Zielgruppen zu treffen – weil, auf Facebook sind alle, nich’ wahr? Die Facebookisierung der Kommunikation treibt seltsame Blüten weit über die Domäne des blauweißen Giganten hinaus.

Kommunikation im Netz wird zunehmend als ein Haufen stark fragmentierter Versatzstücke aufgefasst. Die scheinbar einzige Struktur in diesem Chaos bildet die Zeit – und, der Informatik sei Dank, die Echtzeit. Was auf Facebook oder Twitter gerade jetzt in der Timeline eines Nutzers erscheint, wurde auch gerade eben abgesendet. Klingt banal, aber diesem Umstand wird erstaunlich viel Bedeutung zugeschrieben.

Etwa von der ARD: “Für mich besteht der besondere Reiz von Twitter an einem Wahlabend darin, dass man auch mal zu den Ersten gehört. […] Ich glaube, dass wir das, was wir ohnehin schon tun, sehr stark aufwerten, wenn wir das Twitter-Widget noch daneben stellen und sagen: Das hier ist das, was jetzt gerade passiert. Also nicht vor fünf Minuten oder drei Minuten, sondern – jetzt!,” zeigt sich der Redakteur Christian Radler bei 140 Sekunden euphorisch.

Auch andere Medien huldigen der schnellen Nummer: SPIEGEL Online etwa führt allen ernstes eine Rubrik mit dem Titel “Kurz & Krass“. Sascha Lobo erschließt sich ein neues Publikum, in dem er seine brillanten Kolumnen auf SPON als – auf zwei bis drei Sätze verkürzte – Zusammenfassungen unter tl;dr (too long, didn’t read) anbietet. Schnell rein, schnell raus und fit für die Diskussion danach.

Dabei ist Echtzeit nichts anderes als die stinknormale Zeit, die jeder von uns vergeudet oder nutzt, auf alle Fälle verbringt. In der EDV (wie das damals noch ziemlich unsexy hieß) wird der Begriff der Echtzeit zur Unterscheidung von einer simulierten oder rekonstruierten Zeit verwendet.

Dass heutige Technologien und Medienformate immer stärker ohne langwierige Verarbeitungsprozesse auskommen ist toll. Die Fixierung auf diese – alles andere als neue – Geschwindigkeit und die Erhöhung eines rein technologischen Begriffs der Echtzeit zur Maxime der Kommunikation lässt jedoch den Schluss zu, dass Social Media – fuck, wir nennen es Internet – tatsächlich dazu beitragen, auch unsere Denkprozesse enorm zu verkürzen.

Alles wird zum Ereignis

Diese Erkenntnis ist nicht brandneu. So schimpfte bereits Patrick Breitenbach über den “unreflektierten Drang zur Echtzeitkommunikation” und Nico Lumma stellt nachdenklich die Frage:

Wie bekommen wir Echtzeit hin für Leute, die nicht immer dem Netz ihre Aufmerksamkeit schenken können oder wollen? Wie schaffen wir es, Diskussionen so zu strukturieren, daß nicht der Schnellste und Penetranteste die Meinungsführerschaft an sich reisst, sondern mehr Menschen eingebunden werden können und vielleicht auch Zeit für Reflexion bleibt?

Der letzte Satz lässt sich verkürzt so lesen: “Wie schaffen wir es, [dass] auch Zeit für Reflexion bleibt?

Die einfachste Antwort ist sicher: In dem wir uns die Zeit dafür nehmen. Doch das wäre zu einfach, zu kurz, zu Echtzeit. Der Kern des Problems ist das Wesen des Internets: Als Infrastruktur für alle möglichen Dienste und Technologien verschmilzt es Wissen, Ereignisse und Beziehungen zu einem Brei sich stetig aktualisierender Statusmeldungen und Botschaften.

Wir haben uns daran gewöhnt, Statusmeldungen im Push-Verfahren zu erhalten. Informationen mit Nachrichtenwert und Wissensformate gehen einher mit persönlichen Konversationen. Die Absender von Statusmeldungen in den sozialen Netzwerken bestimmen maßgeblich die Relevanz dieser Informationen und deren zeitlichen Kontext. Der soziale Layer überstrahlt alles:

Tools wie Disqus versuchen, Blog-Kommentaren immer mehr den Charakter der unmittelbaren Unterhaltung mit anderen Lesern zu geben. Twitter und Facebook vermitteln Informationen ausschließlich als persönliche Empfehlungen und News-Aggregatoren wie rivva bilden in Echtzeit die am häufigsten empfohlenen Informationen ab. Sharing is caring – dem sozialen Akt des Teilens wird heute mindestens ebenso viel Bedeutung beigemessen wie den Inhalten selbst:

Einen Gedanken unkatalysiert der Menschheit zur Verfügung zu stellen, finde ich reizvoll. Im Prinzip schreibe ich das auf, was ich sehe, was ich gerade erlebe, so wie ich es sehe,” sagt der Dicke von den Daltons, Huck Haas, exemplarisch für Heerscharen von Twitterati.

Zwei Contents bitte, dick geschnitten

Das Netz als Wissenspeicher? Jaja, Deine Mudda! Wenn es um Echtzeit geht, spielen Erlebnisse und Beziehungen heute die Hauptrolle. In der Echtzeit ist die Vergänglichkeit des Erlebens standardmäßig eingebaut. Unsere Ambient Awareness verarbeitet ständig neue Signale aus dem Netz. Das konzentrierte Auseinandersetzen mit einem anspruchsvollen Thema bedeutet, zahlreiche neue Impulse zu verpassen.

Für Konzentrationsbitches wie Sara von Amy&Pink ein echtes Problem:

Die Geduld, sich mit Dingen auseinanderzusetzen, die einen auch langweilen, tendiert bei mir gegen Nulltausend. Die Kunst, für mehr als fünf Minuten zuzuhören, selbst wenn es kein TED-Talk ist, hat sich so stark reduziert dass ich tatsächlich schon frustriert mit mir selbst kämpfen muss. In der Uni macht es mich verrückt, nicht nebenbei noch schreiben oder Musik hören oder twittern zu können, Online denke ich die ganze Zeit nur daran, dass ich so viel noch für die Uni machen muss – gleich, gleich, erst noch kurz Facebook und Tumblr abchecken, dann geht’s weiter. Letztendlich weiß ich, dass mein Lebensstil in den letzten Jahren was meine Konzentration angeht, ein bisschen verwahrlost ist.

Sara ist nicht Teil der Generation X oder Generation Golf, sondern der Content Generation. Ihr Verhalten wird durch die ständig neuen Impulse der Echtzeit-Medien antrainiert.

Do stupid things faster with more energy

Fatal, wenn nun dieses Verhalten in den PR- und Marketingabteilungen der Unternehmen bedient oder – noch schlimmer – imitiert wird. Es fängt schon damit an, dass gerne von Content gesprochen wird, weil damit so angenehm einfach ein bis dato inhaltsleerer Raum zu beschreiben ist, der sich beliebig füllen lässt. Denn das eigentliche Ziel von PR/Marketing ist es ja heute, die Zielgruppen zu engagen, Beziehungen aufzubauen – Botschaften zu vermitteln ist sooo 2000.

Das Geschehen auf Corporate Facebookseiten ist deshalb an Beliebigkeit und Harmlosigkeit auch kaum zu überbieten. Nett, bunt und schnell konsumierbar. Doch der Social Media Manager freut sich, wenn er mit kaum nachvollziehbaren Voodoo-KPIs im Reporting aufzeigen kann, dass diesen Monat schon wieder mehr Personen ‘viral’ erreicht wurden.

Engage or Die! beschwört Guru Brian Solis jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist. Vielleicht sind Club-Animateure ja die besseren PR-Spezialisten? Weil sie gelernt haben, unmittelbar – in Echtzeit! – mit den Anspruchsgruppen Beziehungen aufzunehmen.

Nur, was bleibt? Das Internet vergisst nichts, heißt es. Das stimmt. Aber wir vergessen. Wenn wir uns nicht mehr erinnern können, nach was wir eigentlich in diesem Internet suchen sollen, nutzt die schönste Statusmeldung aus dem letzten Sommer nicht. Die Halbwertszeit dieser Push-Meldungen ist begrenzt, es sind unbedeutende Ereignisse. Sie liegen auf irgendeinem Server in Prineville, unsichtbar für die Augen der Welt.

OMG wie lange dauert dieser Scheißtext noch???!!!

Nachhaltigkeit ist eines der wichtigsten Buzzwords unserer Zeit und darf bei keinem ordentlichen Greenwashing fehlen. Da erscheint es doch paradox, dass ausgerechnet die Kommunikation an Nachhaltigkeit verliert. An Haltung auch, weil es augenscheinlich nur noch darum geht, zu gefallen. Likes!

Social Media Manager sind auf der Jagd nach dem One-Click-Wonder. Noch immer sind es Klicks, die als Indikatoren für alle möglichen Aggregatzustände eines Nutzers (engaged!) herhalten müssen. Einfach, weil diese am schnellsten und einfachsten zu generieren sind. Und schnell muss es gehen, am besten in Echtzeit! Auf Facebook!

Content ist nur noch Mittel zum Zweck. Wie etwa der TV-Live-Kommentar von Béla Réthy während eines Fußballspiels. Es ist nicht wichtig, was er sagt, sondern dass er was sagt – um mehr Spannung zu erzeugen, den Zuschauer bei der Stange zu halten. Diese Kommentare werden sicher niemals als Buch veröffentlicht.

Was uns bei Réthy erspart bleibt, leben Social Media Manager und sonstige Unternehmenskommunikatoren dafür um so hemmungsloser aus: Das lustige YouTube-Video zum Wochenende, eine total engagende Umfrage, wie die lieben Fans eigentlich Windräder finden oder auch mal die Präsentation der neuesten visuellen Werbemittel. Leicht bekömmlich, geschmacksneutral und schnell zu verdauen. Das ist facebookisierte Unternehmenskommunikation par excellence.

Nachhaltige Kommunikation, die gestaltet und verändert, findet derweil woanders statt. Geht von anderen Netizens aus. Zum Beispiel dem mit dem roten Iro: In den vergangenen sieben Tagen veröffentlichte Sascha Lobo gerade mal drei Tweets – gründete aber einen eigenen Verlag, hielt eine Keynote und gab dem Deutschlandfunk ein Interview. Thematische Klammer: Der aktuell diskutierte Entwurf eines Leistungsschutzrechts von CDU und FDP – auch bekannt als #LSR.

Lobo ist Lobobyist der ‘Internetpeople’. Er nutzt das Netz wie es ihm gefällt, um seine Botschaften zu verbreiten. Weil the fucking medium is the message, McLuhan und so.

Bei Facebook wird das gerne mal vergessen. Anders ist nicht zu erklären, warum ernsthaft versucht wird, Corporate Communications im Umfeld von Farmville und 4 teh lolz zu etablieren.

Sur l’eau

Wenn Posting-Frequenz und Reaktionsvermögen den Takt der Kommunikation vorgeben, verändern sich zwangsläufig die Maßstäbe an die Qualität. Echte Perlen wie etwa der Artikel über Weltraumtourismus im MB!-Blog von Mercedes-Benz passen in keinen Redaktionsplan für eine Facebookseite. Er ist zu lang und zu anspruchsvoll, um als Statusmeldung durchzugehen. Das Lesen – eher Scannen – im Echtzeitmodus ist nicht möglich, das Schreiben schon gar nicht. Dieser Artikel braucht Zeit.

Dafür vermittelt er genau das, was auch im Markenkern von Mercedes verankert ist: Die Leidenschaft, mit Technologie Träume zu erfüllen und nach den Sternen zu greifen. Zudem zeigt er wunderbar auf, dass Corporate Publishing auf hohem Niveau auch im Netz möglich ist: Das MB!-Blog ist die Verlängerung des Kundenmagazins von Print ins Web.

Blogs wie MB! oder The Brander erscheinen geradezu anachronistisch angesichts der alles vereinnahmenden Geschwindigkeit von Facebook & Co. Ihre Geschichten beanspruchen die volle Aufmerksamkeit des Lesers, die soziale Interaktion spielt während des Rezipierens keine Rolle.

Genau das ist die reinste Form des Engagements, die sich Kommunikatoren von ihren Anspruchsgruppen erhoffen dürfen: Die volle Konzentration, das Eintauchen in den Text, Film, Podcast oder das Bild. Das Auseinandersetzen und Arbeiten mit Inhalten. Diese Veränderungsprozesse sind ungleich wertvoller als jedes schnelle ‘Like’. Überhaupt ist Geschwindigkeit bei diesen Formaten unwichtig.

Sie sind bewusst alterslos. Sabria David, Jörg Blumtritt und Benedikt Köhler nennen das Slow Media:

“Slow Media haben eine hohe Lebensdauer und wirken auch nach mehreren Jahren oder Jahrzehnten noch frisch. Sie verlieren mit der Zeit nicht ihre Qualität, sondern bekommen allenfalls eine Patina, die den gefühlten Wert sogar steigern.

Slow Media bauen auf ihren technischen Errungenschaften und der Lebensweise in der Netzwerkgesellschaft auf. Gerade durch die Beschleunigung in zahlreichen Lebensbereichen werden Inseln der bewussten Langsamkeit möglich, aber auch überlebenswichtig. Slow Media sind kein Gegensatz zur Geschwindigkeit und Gleichzeitigkeit von Twitter, Blogs und Social Networks, sondern eine Haltung und Art sie zu nutzen.”

Slow

Diese Haltung gilt es auch in PR und Marketing zu entwickeln, wenn die Unternehmenskommunikation auf Facebook & Co. nicht völlig vor die Hunde gehen und Inhalt nicht bloß sozialer Trigger mit geringer Halbwertszeit sein soll. Denn Social Media strategisch zu nutzen bedeutet nicht zwangsläufig, jede Plattform von Facebook bis Pinterest mit Content zu überschwemmen. Sondern vielmehr, die richtigen Ideen zu haben, um Menschen zu begeistern. Das Social Sharing kann getrost anderen überlassen werden.

So macht es auch Robert Basic: Auf seiner Website Buzzriders können Artikel nicht kommentiert werden. Seine Leser sollen sich an anderer Stelle darüber unterhalten. Auch das ist eine Haltung.

Sie erlaubt wesentlich mehr Zeit für das Entwickeln von Ideen, die auch wirklich Gesprächsanlass geben. Den Weg zu dieser Haltung skizzierte Hubertus von Lobenstein höchst wunderbar:

„Ich sitze überm Word-Programm. Der kleine schmucklose Curser blinkt. Ein Gedanke entwickelt sich, weitere Gedanken kommen dazu. Eine Idee entsteht. Eine weitere. Und dann lese ich etwas, das mir so gefällt, wie mir früher Sachen gefallen haben, denen ich die Zeit gelassen habe, die sie eben brauchen. Ich fange an, meine Geschwindigkeit wiederzufinden. Eine Geschwindigkeit, die vielleicht sogar etwas mit Biorythmus zu tun hat. Eine gesunde Geschwindigkeit. In meinem Format. In meinem Cluster. Der Ernstfall ist wieder eingetreten. Und das fühlt sich gut an. Facebook ist das Spiel, die Probebühne. Schreiender, lauter, vergesslicher. Dümmer auch.”

 

tl;dr – Lies verdammt noch mal alles!

  • http://twitter.com/MMaschmann Matthias Maschmann

    So, hab das mal alles gelesen. Und like das jetzt mal nur hier und nicht über diese bunten Buttons, die eh nur ins Hektischeren führen…

  • http://twitter.com/maxwittrock max wittrock

    Im Ernst: vielen Dank;

    und gerade…

    “Der letzte Satz lässt sich verkürzt so lesen: ‘Wie schaffen wir es, [dass] auch Zeit für Reflexion bleibt?’
    Die einfachste Antwort ist sicher: In dem wir uns die Zeit dafür nehmen.”

    …das würde ich dick unterstreichen, ach nein, am liebsten alles…

  • Pingback: Das Lernen hört nicht auf. Hoffentlich! |()

  • Marc Sauerwald

    Ich nehme mir jetzt mal die Zeit das in Ruhe zu “liken”.

  • http://twitter.com/infinsternis Sebastian Baumer

    1. Hast Du @HuckHaas deutlich missverstanden. Der steht nämlich genau für das, was Du auch forderst. Das Zitat ist völlig aus dem Kontext des Interviews gerissen.
     
    2. Hast Du das Twitterhuder Abendblatt völlig missverstanden. Das verlinkte Interview ist mehr als doppelt so lang als Dein Artikel und ich arbeite dort sehr, sehr hart an den publizierten Sachen, damit sie eben genau das sind: Slow Media, kein geistiges Fast Food und weit jenseits von irgendwelchen Schwarzweiß-Ansichten.

    3. Ehrt es mich, dass Du das Blog hinter einem komischen Filter zum LSR verlinkst, als ob wir ein Produkt der “grundbösen Content-Mafia” wären. Das Twitterhuder Abendblatt mache allerdings ich alleine und als ich das letzte Mal nachgesehen habe, hatte ich noch keinen Verlag gegründet.

    4. Hast Du ansonsten natürlich mit allem Recht, was Du sagst, es ist aber keine sonderlich innovative Meinung, es klingt eher wie ein Befreiungsschlag von jemandem, der sich selbst zu tief im Echtzeitterror verfangen hat.

    • http://cluetrainpr.de tspe

      Hallo Sebastian, so ganz verstehe ich die Aufregung nicht. Hat Huck Haas das Zitat so gesagt oder nicht? 

      ad 1) Das Zitat wird von mir in keiner Weise negativ konnotiert. Es steht einfach für den sozialen Kontext, der nicht schlecht oder gut, sondern eben gegeben ist. Ich selbst nutze Twitter und den ganzen Krempel so wie Huck Haas und viele anderen auch. Was soll schlecht daran sein, wieso fühlt ihr euch angegriffen?

      ad 2) Ja, das sehe ich auch so. Wollen wir meinen Text vielleicht mal gemeinsam lesen? Dann kann ich Dir klar machen, dass ich weder Huck Haas, noch das Twitterhuder Abendblatt kritisiere. Wo um Himmels Willen habe ich denn behauptet, Dein Blog sei geistiges Fast food?!

      ad 3) Dass Dein Blog vom D64-Plugin als Verlagsangebot identifiziert wurde, ist echt scheiße. Da kümmere ich mich sofort drum. Liegt wahrscheinlich an der Klassifizierung über das Keyword “Abendblatt”, wie auch @kosmar:disqus vermutet. Sorry dafür, das war ganz bestimmt nicht beabsichtigt.

      ad 4) Nö, das kann nicht innovativ sein, denn das Slow Media Manifest hat mittlerweile auch 2,5 Jahre auf dem Buckel. Aber da sind wir dann auch beim eigentlichen Gegenstand des Artikels: Soll Innovation der Gradmesser für Relevanz sein? Also alles neue, noch nicht gedachte? Damit das Rad sich schneller dreht?

      Mein Posting ist über sechs Monate entstanden, ich habe mir ganz bewusst Zeit damit gelassen, weil ich weiß, dass das Thema noch lange aktuell sein wird. Die Aufforderung, eine reflektierte Haltung gegenüber Social Media in der Unternehmenskommunikation (denn in diesen Grenzen bewegen wir uns bei diesem Artikel) einzunehmen, muss – so meine Erfahrungen – heute mehr denn je wiederholt werden. Das war der Antrieb für mich, diesen Text zu schreiben.

      Fazit: Also, weder Huck Haas noch das Twitterhuder Abendblatt kommen IMHO in diesem Posting schlecht weg. Ich äußere mich überhaupt nicht wertend, sondern finde das Zitat super geeignet, um aufzuzeigen, wie schnell drehende Social Media heute genutzt werden. That’s all.

      • http://twitter.com/infinsternis Sebastian Baumer

        Der Artikelkontext war mein Problem – Du zeichnest so eine Schwarzweißwelt, in der das @HuckHaas-Zitat aus diesem sehr ausführlichen Interview als Beispiel für Schnelllebigkeit herhalten muss. Dabei tut er das gar nicht mal inhaltlich, denn das Problem sind meiner Meinung nach nicht die Leute, die sich reflektiert und bewusst dazu entscheiden, einzelne Gedankensplitter auf Twitter ungefiltert zu veröffentlichen, sondern die, die auf Teufel komm raus immer die schnellsten, coolsten, moralisch korrektesten, lautesten sein wollen und die, die sich absolut keine Gedanken dazu machen. Anders ausgedrückt: Ich WÜNSCHTE, @HuckHaas stünde wirklich stellvertretend für die Twitteria. Dann hätte ich kein Problem mit ihr.

        • http://cluetrainpr.de tspe

          Jetzt weiß ich, wo Dich der Schuh drückt: Du interpretierst da verdammt viel rein. Von einer Twitteria mag ich nämlich nicht sprechen (und tue es deshalb auch nicht).

          IMHO lassen sich die Nutzer nicht über einen Kamm scheren. Da gibt es die Fav-Schlampen (das ist anerkennend gemeint), Info-Broker, Link-Schleudern, Tratsch-Tanten, Netz-Aktivisten, etc. pp.

          Das Publikum auf Twitter (wie auch auf anderen Plattformen mit ausreichend großer Grundgesamtheit) ist alles andere als homogen und schon gar nicht schwarz-weiß.

          Die Technologie ermöglicht die Veröffentlichung in Echtzeit, somit lassen sich Ereignisse dokumentieren, verschwinden aber auch schnell wieder aus der Timeline. Das ist mein Punkt.

          Twitter ist für vieles geeignet, ich liebe Twitter!
          Sicher würde ich auch @huckhaas:twitter verehren, folgte ich ihm. Ich stelle ihn eben nicht exemplarisch als Prototypen einer nicht existierenden Twitteria dar, sondern einfach sein Nutzungsverhalten, dass auf ziemlich viele Twitterer zutreffen dürfte, egal wie reflektiert, klug oder lustig sie sind.

          • User

            “sagt der Dicke von den Daltons, Huck Haas, exemplarisch für Heerscharen von Twitterati.” – Doch, tust Du in genau dem Nachsatz zu dem Zitat. Da ist wohl das Problem.

          • http://cluetrainpr.de tspe

            Mach mir einen Vorschlag, wie ich das ändern soll, ich bin da offen.

  • tschill

    Like!

    Kleiner Scherz am Rande. Ich denke, das wesentliche Problem ist die Abrechenbarkeit, die heutzutage überall gefordert wird. Das ist einerseits schön, um nicht jedem Dampfplauderer Geld hinterherzuwerfen, führt aber zum Problem der Quantifizierbarkeit qualitativer Merkmale. Ergo sind 1o aus der Hüfte geschossene facebook  likes  mehr wert als 1 Kommentar, der die Diskussion vorantreibt. Logisch 10>1, haben wir doch in der Schule gelernt.

    Ob das allerdings eine Problem der social media ist, wage ich dann wiederum zu bezweifeln. Prinzipiell hat zum Beispiel die Wissenschaftskommunikation exakt das gleiche Problem. Während noch vor zehn Jahren die Qualität der Veröffentlichungen ein maßgeblicher Faktor für die Reputation war, ist es heute meist nur noch, wo man seine Artikel unterbringen kann und wie schnell man neue Artikel rausfeuern kann. Ob die Publikation darauf zurückzuführen ist, daß man berühmt ist oder den Editor kennt oder eine phantastische Entdeckung gemacht hat, interessiert da nicht mehr. Am Ende werden nur die Punkte zusammengezählt.

  • Pingback: Echt Zeit « Stowasser und Nieth()

  • http://twitter.com/SeanKollak Sean Kollak

    Gelesen und für gut befunden. Allerdings: So sehr ich selbst ein Verfechter von Slow Media, Corporate Blogs und wohlüberlegten Botschaften  bin, kam mir doch während des Lesens dieses Textes die Idee, wie schön es wäre, an jeder beliebigen Stelle kommentieren zu können. So eine Art Google Wave für Blogs – wär doch schön.
    Gruß Sean

  • http://cluetrainpr.de tspe

    Bezogen auf Dich als Einzelperson ja, für die Gesamtheit nein. Am Ende wäre jedes Wort mit einem Kommentar gelabelt. Jeder von uns hat schon einmal erlebt, was passiert, wenn Word-Dokumente in großen Runden mit der aktivierten Überarbeitung-nachverfolgen-Funktion kursieren. *schauder* Für mich ist der effektivste Kommentar ein Blog-Artikel als Entgegnung auf das Gelesene. Genügend Raum, eine angemessene Bühne – was braucht man mehr?

  • http://twitter.com/JoachimGraf JoachimGraf

    Auch wenn das im Internet so aussieht “Text” ist nicht gleich “Text”. Und wenn Links die Währung sind – wohin gehen Links hin? Eben: Zu Dingen, die nicht der Echtzeit-Hektik unterliegen. Niemand würde auf die Idee kommen, das Geschnatter eines Stehempfangs mit dem philosophischen Dialog einer Tagung. 

    Die digitale Gesellschaft muss (und wird) lernen müssen, dass man den Twitterstream nicht fertiglesen muss, genauso, wie man nicht jedes Blatt im Wald ansehen muss, um den Wald toll zu finden und stundenlang die riesige Eiche anstarren kann. Zu lernen ist der Mut der Lücke. 

    Und der Artikel, mit dem ich  mich beschäftigen will: Dieser Link erreicht mich schon (was im übrigen das Konzept ist, mit dem wir bei iBusiness.de seit nun 20 Jahren Content produzieren. Das aber nur nebenbei).

  • Pingback: Spontanschreiben, Echtzeit-Lamento, Wortsalat und Twitter-Prosa – Über Lichtblicke im aufgeregten Social Media-Gewusel | Ich sag mal()

  • http://twitter.com/karlkratz Karl Kratz

    tl;dr aber like!*

    *war ein Spaß. Danke für diesen exzellenten Artikel. :-)

  • http://twitter.com/tweelixB Felix Barth

    Corporate Communications im Umfeld von Facebook sind in der Tat etwas, bei dem man sich als Auftragnehmer (=Agentur) mittlerweile kaum dagegen wehren kann, dann eben doch ab und zu Nebelkerzen zünden zu müssen, die KPIs so beeinflussen, dass irgendwelche Marketingfuzzis gegenüber der Geschäftsführung oder einem Budgetverantwortlichen vom Stapel lassen können, wie dermaßen die Social Media Kommunikation durch die Decke geht und zum “nachhaltigen Beziehungsmanagement” mit den Kunden beiträgt. Leider buhlen alle dort so dermaßen plump um die Aufmerksamkeit der Nutzer, dass das Erzählen von guten Geschichten kaum mehr möglich ist, da sich alles nur um den Edgerank dreht. Unternehmen brauchen wieder mehr eigene Plattformen!

    • http://cluetrainpr.de tspe

      Definitiv! Leider sind eigene Plattformen auch gleich mit noch mehr und vor allem anspruchsvolleren Aufwand verbunden. Der Weg der geringsten Widerstände führt bei nicht wenigen Unternehmen in sicherer Entfernung daran vorbei.

  • Fieberchen

    WUUUUUUNDERBAR!!!

  • http://www.google.com/profiles/jodeleit Bernhard Jodeleit

    Relevanz, Reichweite, Dynamik. Anhand dieser Kriterien lässt sich meines Erachtens ganz gut beurteilen, was am Echtzeit-Dialog interessieren muss und was nicht. Mich interessiert ganz viel von diesem Echtzeit-Schmarrn nicht.

    Wirklich Inspirierendes finde ich mitunter außerhalb des Social Web. Und wenn ich kreativ sein möchte, dann muss ich dieses ständige Echtzeit-Web auch einmal ausblenden. Abschalten.Unternehmen müssen lernen, damit umzugehen. Rechtzeitig – nicht innerhalb von Minuten, besser:vorausschauend – zu beurteilen, wie relevant, reichweitenstark und dynamisch beispielsweise zu erwartende Kritik ist.Das Gute daran ist: Man muss sich heutzutage etwas früher Gedanken darüber machen, welche Leichen man im Keller hat.Finde ich gut für PR: Sie kann mehr denn je hinterfragen und das Management herausfordern.Das ist das Gute am Echtzeit-Hype. Unternehmen müssen auf alles gefasst sein. Menschen können dagegen auch ruhig einmal eine Auszeit nehmen und ein Buch lesen oder offline gehen. Wenn die Unternehmen, in denen sie arbeiten, gut organisiert sind.

    • Weblog

      Vielen Dank. Nach gefühlten 20 Erwähnungen auf Twitter habe ich mir die Zeit genommen den Artikel und die Kommentare zu lesen.
      Es braucht also viele “likes” um Relevantes und Interessantes zu verbreiten und dadurch mehr Leser zu finden.
      Aber diesen Artilkel like ich nicht , der gefällt mir sehr gut und ich werde ihn als lesens- und nachdenkenswert weiterempfehlen.

  • http://twitter.com/zehnbar Maren Martschenko

    Interessant! Interessant auf mehreren Ebenen.
    1. Spannend, wie man sich jetzt offensichtlich schon erklären muss, weil man einen längeren Blogbeitrag schreibt. Dass Länge überhaupt thematisiert wird, sagt viel über unser Informationskonsumverhalten nach. Ist unsere Gesellschaft bereits zu einer Fastinfojunkies geworden? Steht uns eine McDonaldisierung im Bereich Information bevor? Was bedeutet das für unsere Verdauung?
    2. Interessant auch, dass Nicht-Social-Medien “Slow media” genannt werden. Das gefällt mir deutlich besser als die Unterscheidung zwischen alten und neuen Medien. Natürlich gibt es hier auch die Parallele zur Ernährung mit der Slow-Food-Bewegung. Wir brauchen eine Ausgewogenheit.
    3. Das Zitat von Johannes Kleske am Anfang des Artikels trifft den Zeitgeist. Netzwerkstrukturen in der Gesellschaft stimmt, aber es wäre fatal, wenn Unternehmen deshalb ihre Strukturen allein auf den Echtzeitkanal ausrichten würden. Echtzeit bedeutet für mich nicht, dass ich jetzt und hier alles sofort wissen muss, sondern, dass mir zu dem Zeitpunkt, an dem ich mich informieren möchte, alle relevanten Informationen zugänglich sind. In Wort, Bild, Ton, kurz gefasst und gerne auch mit Tiefgang je nachdem wieviel Zeit ich habe. Das ist ein entscheidender Unterschied.
    Danke für den inspirierenden Beitrag!
    Viele Grüße,
    Maren Martschenko

    • Olivia

      Die McDonaldisierung der Information ist gerade 60 jahre alt geworden. Sie kommt noch aus Print-Medien-Zeiten aber hat uns schon damals gezeigt wie kurz und verkürzt Nachrichten und Informationen an den Mann/die Frau gebracht werden können: Bild Dir ruhig eine Meinung!
      Ansonsten kann auch ich dem Artikel nur zustimmen. Ich fühle mich als facebook-Gelegenheitsnutzer wie früher als Nicht-Raucher unter Rauchern…

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  • Kris

    ein buch vielleicht (noch) nicht – aber einen tumblr…

    http://bestofbelarethy.tumblr.com/

    • http://cluetrainpr.de tspe

      Awesome! :-)

  • Pingback: » link dose 27.06.2012()

  • kommponisten

    … und ich dachte, ich wäre allein im Lesesaal, während die anderen Kinder im Computerraum daddeln.

    Wunderbare Lektüre (oder sagt man Read?), höchst bedenkenswerter Inhalte und verdammt gute Argumente. Fehlt vielleicht nur noch die breite Diskussion.

    Immerhin, ich bin “engaged”. Und danke herzlich dafür.

    Marcus Schult

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  • http://twitter.com/MartinReti Martin Reti

    Hallo Thilo,

    ich wünschte, ich hätte meinen Post von morgen vorgezogen. Tempo, Tempo – das beherrscht uns – und ja nichts verpassen.
    Mir fehlt nur das Moment der Emotion, das ich hier noch kurz ergänzen möchte: Wenn ich mir Zeit nehme für den Text, wächst eine andere Beziehung zu ihm und zum Absender. Zumindest eine intensivere als beim Ex-und-Hop-Querlesen. Das war doch deine Aussage, oder?

    Beste Grüße
    Martin

    • http://cluetrainpr.de tspe

      Stimmt, Martin. Das Eintauchen in den und Arbeiten mit dem Inhalt kann auch eine stark emotionale Erfahrung sein.

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  • http://www.facebook.com/niele.schulz Stefanie Niele Schulz

    Ich liebe diesen Artikel. Lese ihn heute zum ich weiß nicht wievielten Mal – er ist u.a. in meiner Bookmarksammlung für Seminare und Vorträge. Werde das morgen meinen Studenten vor den Latz knallen. Und wehe einer twittert nebenher.

  • friederike

    danke!

  • http://www.p2-medien.de/info-sitemap/ Lysander

    “Alles wird zum Ereignis” – Und tatsächlich erwischt man sich ja ab und an dabei, dass man überlegt, ob das gerade geschehene einen Beitrag wert ist…

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